Malaysia: Die Temiar verlieren ihren Lebensraum

Text: Beate Hunold

Das indigene Volk der Temiar im Bundesstaat Kelantan im Norden der malaiischen Halbinsel wird immer weiter von Palmöl- und Gummiplantagen eingegrenzt und verliert damit ihre Lebensgrundlage.

Die Temiar sind eine von 19 indigenen Subgruppen, die unter dem Sammelbegriff Orang Asli (übersetzt „ursprüngliche Menschen“) zusammengefasst werden. Die Orang Asli leben ausschließlich auf dem malaysischen Festland und müssen nicht zwingend kulturell oder genetisch verwandet sein.

Die Temiar leben seit 1000en von Jahren in den Wäldern im Süden des Bundesstaates Kelantan. Die ca. 10 000 Menschen leben vom Jagen und Sammeln im Wald, zu den sie eine enge Verbindung haben. Doch ihre Quelle für Nahrung, Material und Medizin wird immer mehr zerstört, damit das lukrative Palmöl oder Gummiplantagen angebaut werden können. Abholzung ist schon länger ein Problem in Kelantan, jedoch erst mit der Einführung des staatlichen Programms Landang Rakyat hat sie extreme Ausmaße angenommen. In keinem anderen Bundesstaat schreitet die Abholzung der Wälder so stark voran wie in Kelantan.

Ladang Rakyat wurde 2006 mit der Kelantan State Ladang Rakyat Corporation (PPLRNK) ins leben gerufen, mit dem proklamierten Ziel, die Armut der Menschen durch Investitionen in neue Plantagen zu senken und so die sozioökonomische Lage des gesamten Bundesstaates zu verbessern. Mittlerweile steht die Behörde jedoch im Verruf, Interessen privater Unternehmen den der dort lebenden Menschen vorzuziehen. Für die Plantagen wird vor allem staatliches Land genutzt. Haben die dort lebenden Temiar es nicht rechtzeitig geschafft, ihr Land vermessen und anerkennen zu lassen, gilt das Land als staatlich und kann somit dem Ladang Rakyat Programm zum Opfer fallen. Die Temiar können dann nur zu schauen, wie ihre Ernte, ihre Obstbäume und die Gräber ihrer Vorfahren den Bulldozern der Abholzungsunternehmen zu Opfer fallen. Seit 2001 wurden in Kelantan allein 20 000 Hektar mit Ölpalmen bepflanzt.

Offiziell garantiert Ladang Rakyat den Teilnehmern monatliche Dividenden von RM200 (47 Euro), wenn man sein Land aufgibt. Wo und wie das Geld beantragt werden kann, ist jedoch undurchsichtig. Meist sind Außenstehende Nutznießer der Dividenden. Nur eine handvoll Temiar bekommen das magere Trostpflaster.

Der Bundesstaat Kelantan ist im Vergleich zu Staaten wie Selangor oder Pahang wirtschaftlich nur schwach entwickelt und hoch verschuldet. Das Haushaltshaltsloch wuchs im Jahr 2011 auf knapp RM 85 Mio. und muss irgendwie gestopft werden. Die meisten Steuereinkommen gehen direkt an die nationale Regierung. Deshalb gehören Einahmen aus Land, Bergbau und den Wäldern zu den wichtigsten Einnahmen der Bundesstaaten.

Trotz der Proteste der Temiar bekam Kelantan 2011 zum zweiten Mal das Zertifikat für nachhaltiges Waldmanagement, geprüft und ausgestellt vom Malaysian Timber Certification Council (MTCC).

Das wird Kelantan trotz der schnell voranschreitenden Abholzung der Wälder wohl auch behalten. Denn hier setzt man auch Latex Timber Clone (LTC). LTC sind Gummibäume die schnell wachsen und schon nach ein paar Jahren Nutzholz produzieren. Somit fallen sie unter die Kategorie der Permanent Forest Reserves und auf dem Papier hat Malaysia keine Waldreserven verloren. Die Monokulturen zerstören jedoch die Biodiversität und Ökologie des Gebietes. Andere Pflanzen und Tiere können in den Plantagen kaum überleben, die die Lebensgrundlage der Temiar sind. Es ist plant weitere 200 000 Hektar der Permanent Forest Reserves in Kelantan zur Abholzung freigegeben, um sie mit (LTC) zu bepflanzen; eine Fläche die dreimal der Größe Singapurs entspricht.

Selbst die Flüsse sind verschmutzt. Die Pestizide der Plantagen und Abfälle aus nahe gelegenen Eisenerzfabriken gelangen ungehindert in die Flüsse, die häufig die einzige Wasserquelle der Temiar sind. An vielen Stellen ist das Wasser rotbraun und die Eisenanteile viel zu hoch. Viele Pflanzen entlang des Flusses sind abgestorben. Fische gibt es kaum noch in den Flüssen. Die Regierung hat Wassertanks und Leitungen bauen lassen, diese funktionieren jedoch nicht.

Die Beschwerden und Proteste der Temiar an die Regierung und die staatliche Behörde für Orang Asli Fragen werden ignoriert.

Foto: einer von über 50 Lastwagen voll Holz, die pro Tag über die Landstraße in Kelantan fahren, Foto von Wakx/ flickr
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