UNESCO-Biosphärenreservat droht Zerstörung

Text: Beate Hunold

Tausende Touristen sind jedes Jahr zum UNESCO Biosphärenreservat Tasik Chini in Malaysia gereist, um mit dem Boot durch den Teppich aus pinken und weißen Lotusblüten zu fahren. Die einmaligen Landschaftsbilder kann man jetzt nur noch auf den Touristenwebsites bewundern. Heute gibt es keine Lotusblumen mehr auf Tasik Chini. Denn Tasik Chini liegt im Sterben.

Tasik Chini im Osten der malaiischen Halbinsel ist das zweitgrößte   Süßwasserseegebiet Malaysias und liegt im Land der Jakun. Die Jakun sind eine der 19 indigenen Volksgruppen der malaiischen Halbinsel, die unter dem Begriff Orang Asli zusammengefasst werden.

Die Armutsrate der knapp 600 Jakun um Tasik Chini ist selbst im Vergleich mit den anderen Orang Asli hoch und liegt mit 90 % weit über der Malaysias. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Region in den letzten 20 Jahren hat sich die Lage der Jakun verbunden mit der Verschmutzung Tasik Chinis immer weiter verschlechtert. Die Jakun leben in enger Verbindung mit der Natur. Tasik Chini ist ihre substantielle Grundlage und ihre Kultur und Folklore weisen eine enge spirituelle Verbindung mit dem Ökosystem des Sees auf. Aufgrund der Einzigartigkeit des Süßwassergebietes wurde er von der UNESCO als Malaysias einziges Biosphärenreservat anerkannt. Diesen Status droht Tasik Chini jetzt zu verlieren.

Den Anfang machten die Palmöl- Gummiplantagen Anfang der 1990er Jahre. Mittlerweile wurden dafür 60 % des Waldes um Tasik Chini abgeholzt. Für die Jakun, die u. a. vom Jagen und Sammeln leben, ist es immer schwieriger geworden, Nahrung zu finden. Chemikalien und Pestizide fließen seitdem ungehindert in den See. Sedimente von den Plantagen und den Abholzungen haben sich an einigen Stellen angesetzt. Weil in der zweimonatigen Trockenzeit keine Touristenboote den See mehr überqueren konnten, hat man 1996 einen Damm gebaut hat, der den Wasserspiegel anheben sollte. Der See war vom Pahang River abgeschnitten und konnte sich nicht mehr natürlich reinigen. Die Fische kamen zum laichen nicht mehr in den See und durch den hohen Wasserspiegel kann es zu Überschwemmungen, wodurch die Bäume und Pflanzen am Ufer abstarben. Die Verschmutzung hat weiter zugenommen und mehrere Fischarten, von denen die Jakun gelebt haben, sind ausgestorben. Der See ist eine wichtige Wasserquelle der Jakun und der Fischfang ist eine ihrer Hauptnahrungs- und Einnahmequellen. Inzwischen ist der wenige Fisch ungenießbar und riecht faul wenn er aus dem Wasser kommt. Durch die Verschmutzung kommen auch immer weniger Touristen nach Tasik Chini und die Jakun verlieren eine wichtige Einnahmequelle.

Die Abholzung der Wälder und des Bau der Plantagen wird vor allen durch FELDA vorangetrieben, eine der weltweit größten Firmen im Palmölhandel. Sie gehört zu Zweidritteln den malaysischen Staat, das restliche Drittel wird an der Börse gehandelt. Beim spektakulären Börsengang im Juni 2012 war die Deutsche Bank maßgeblich beteiligt.

2005 wurde zudem eine alte Eisenerzmine wieder in Betrieb genommen. Der Eisenerzabbau war so lukrativ, dass noch weitere Minen um den See herum gebaut wurden und den See verschmutzen. Die Regierung weist die Kritik der Jakun zurück und argumentiert, die Minen seinen außerhalb der Touristenreservate. Die Abwässer landen trotzdem im See. Die Schwermetallkonzentration des Wassers ist unnatürlich hoch und macht die Jakun krank. Die Regierung hat Wassertanks gebaut, aber nach ein paar Monaten sind diese kaputt gegangen und wurden nicht erneuert.

Transparency International warnt, die Abfälle aus den Minen und die Pestizide der Plantagen werden 2030 zum ökologischen Kollaps des Sees führen.

Foto: Tasik Chini, Foto von Kot-Coll/ flickr7090155221_3202ed3751

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