40. Jahrestag der Besetzung von Wounded Knee (USA) Indianer warten noch immer auf Gerechtigkeit

Von: Monika Seiller – Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte e.V.

Am 27. Februar 1973 besetzten rund 200 Indianer die historische Stätte von Wounded Knee auf der Pine Ridge Reservation im US-Bundesstaat South Dakota. Die dort lebenden traditionellen Lakota-Indianer hatten die Aktivisten des American Indian Movement (AIM) um Hilfe gebeten, nachdem die Situation im Reservat immer unerträglicher wurde. Stammespräsident Dick Wilson, Vorsitzender einer Marionettenregierung am Gängelband der US-Regierung in Washington DC, hatte dort mit Hilfe einer eigenen Schlägertruppe, der „Goons“, ein korruptes Terrorregime errichtet, mit dem er den Protest der traditionellen Lakota-Indianer und Aktivisten gegen den Uranabbau auf ihrem Land und den Ausverkauf der Black Hills zum Schweigen bringen wollte. Rund 60 indianische Aktivisten wurden damals von den Goons ermordet. Pine Ridge ist noch heute der ärmste Bezirk der gesamten USA, die Arbeitslosigkeit liegt bei fast 80%, die Bevölkerung leidet unter miserablen Wohnverhältnissen, Krankheiten und einer hohen Selbstmordrate.

Wounded Knee ist ein wichtiges Symbol für den amerikanischen Völkermord an den Indianern. 1890 wurden hier bei einem Massaker 300 wehrlose Indianer, darunter Alte, Frauen und Kinder, von der 7.US-Kavallerie brutal niedergemetzelt. Doch Anfang der 1970er Jahre wollten sich die Indianer nicht mehr kampflos ergeben. Seit 1968 trat das American Indian Movement gegen Armut und Elend,  Diskriminierung, Rassismus und Polizeiwillkür an. Viele Indianer hatten für die USA in Vietnam gekämpft und wurden nach ihrer Rückkehr als Bürger zweiter Klasse behandelt. Es war Zeit zu handeln.

Presse und Medien berichteten auch in Deutschland über diesen Aufstand der Indianer, die sich weigerten, ihre Traditionen und Kultur dem American Way of Life zu opfern. Die Gegenseite reagierte mit Gewalt, Panzern, Helikoptern, FBI und Nationalgarde. 71 Tage verschanzten sich die Indianer im alten Handelsposten von Wounded Knee, bevor sie – ohne Nahrung und Munition – am 8. Mai 1973 aufgeben mussten. Zwei der indianischen Besetzer kamen bei Schusswechseln mit US-Marshalls und Armee um, die Anführer, u.a. Dennis Banks und der Ende 2012 verstorbene Russell Means wurden vor Gericht gestellt. Sämtliche Anklagen gegen sie endeten mit Freispruch. Doch in Pine Ridge gingen die Schläger der Stammesregierung weiterhin gegen Traditionelle und Aktivisten vor. Das FBI verschärfte seine Infiltrations- und Einschüchterungspolitik gegenüber AIM 

Ein Opfer dieser Politik ist Leonard Peltier (68), der 1977 zu zwei Mal lebenslänglich für einen Mord an zwei FBI-Beamten verurteilt wurde, den er nicht begangen hat. Voraussetzung für dieses Urteil waren eine ungesetzliche Auslieferung von Kanada an die USA, ein Prozess voller Verfahrensfehler, gefälschter Zeugenaussagen und vom FBI geschwärzter Dokumente. Bis heute sitzt Leonard Peltier im Gefängnis. Trotz gravierender Gesundheitsprobleme kann der Aktivist, für den sich Menschenrechter in aller Welt eingesetzt haben, erst 2024 einen Bewährungsantrag stellen. Millionen Menschen haben Petitionen unterzeichnet, Amnesty International hat ihn als politischen Gefangenen anerkannt, Persönlichkeiten wie Desmond Tutu oder Nelson Mandela haben sich für seine Freilassung eingesetzt. Seine einzige Chance auf Freiheit ist die Begnadigung durch Präsident Obama. Seine reguläre Haftentlassung 2040 dürfte der dann 96jährige kaum noch erleben.

Die Besetzung von Wounded Knee setzte ein deutliches Signal, dass die Indianer nicht mehr bereit sind, die Missachtung ihrer Rechte widerstandslos hinzunehmen. Inzwischen wehren sich Indigene aus aller Welt gegen die Ausbeutung ihres Landes und fordern ihr Selbstbestimmungsrecht ein. Ihre Bewegung führte schließlich auch zur Verabschiedung der „Deklaration der Rechte der indigenen Völker“ durch die UN-Vollversammlung 2007. Heute sorgen die Indigenen in Kanada für Schlagzeilen. Mit der Bewegung „Idle No More“ protestierten in den vergangenen Wochen Hunderttausende gegen die Aufhebung ihrer Vertragsrechte in der kanadischen Verfassung.

Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte

Indianernetzwerk bei facebook

Idle No More bei facebook

Leonard Peltier Defense Offence Committee

USA: 40. Jahrestag der Besetzung von Wounded Knee (27.2.1973)-Lakota-Indianer noch immer in tiefstem Elend

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