Dagestan: Säuberungsaktion im Dorf Gimri fast wie zu Zeiten des Tschetschenienkrieges – GfbV appelliert an Regierung in Dagestan

Seit dem 11. April um 8 Uhr morgens findet im Dorf Gimri in Dagestan eine so genannte Säuberung statt. Es fing damit an, dass die 5.000 Dorfbewohner Schüsse hörten. Weder die Dorfverwaltung noch der Mullah waren vorgewarnt worden. Daher brach im Dorf Panik aus. Die Lehrer konnten ihre Schüler nicht beruhigen, die dachten, ein Krieg sei ausgebrochen. Frauen liefen zum Kindergarten und zur Schule, um ihre Kinder abzuholen. Mittlerweile wurde im Dorf geschossen. Die Operation wird gemeinsam von dagestanischen Zweig des russischen Geheimdienstes FSB, vom russischen FSB, von Truppen des Innenministeriums und von der Antiterroreinheit Dagestans durchgeführt. Gegen 14 Uhr am 11. April drangen Soldaten in Kampfuniformen, Panzer und mehr Bewaffnete ins Dorf ein. Mehrere ältere Menschen bekamen einen Herzinfarkt, einer einen Hirnschlag. Der Mullah des Dorfes befahl den Bewohnern, sich um 16 Uhr auf dem zentralen Dorfplatz zu versammeln. Es gelang den Menschen kaum, das Notwendigste mitzubringen. Kranke und Invaliden wurden in Decken zum Platz geschleppt. Die Kinder und alten Menschen sollten in Autos der Dorfbewohner weggebrachte werden, die Mehrzahl der Dorfbewohner verließen ihr Dorf zu Fuß. Einige kamen bei Verwandten unter, die anderen bauten sich ein provisorisches Lager mehrere Kilometer außerhalb des Dorfes auf. Am 12. April stimmte das Militär der Evakuation des Dorfes zu. Am selben Tag begannen Geheimdienstmitarbeiter die Häuser zu durchsuchen. Sie demolierten Türen, zerstörten Gerätschaften und brachten die Häuser in größte Unordnung. Die Dorfbewohner haben Angst, dass ihre Wohnungen zerstört werden, ihre Bäume gefällt und Vieh geschlachtet wird.

Die Durchsuchung ist noch nicht zu Ende und der Geheimdienst erlaubt den Bewohnern nicht, ins Dorf zurück zu kehren. Die Menschen haben zu wenig Nahrungsmittel, sie schlafen mit vielen Kindern und Alten in wenigen Räumen. Die Männer schlafen in der Moschee bzw. in ihren Autos.    

Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation Memorial hatten die Dorfbewohner am 14. April besucht und diesen Bericht bekommen. Hintergrund für die „Säuberung“ war, dass der Geheimdienst eine Gruppe Kämpfer in dem Bergmassiv in der Nähe von Gimri ausgemacht hatte. Diese Gruppe soll für den Mord an einem dagestanischen Geistlichen verantwortlich sein. Die GfbV sandte an die Regierung in Dagestan einen Appell, in dem sie zur unabhängigen Untersuchung der „Säuberung“ auffordert und dazu, die Aktion zu beenden und den Bewohnern von Gimri die entstandenen Schäden zu ersetzen. Terror und staatliche Gegengewalt schaffen eine bürgerkriegsähnliche Situation, zwischen die Fronten gerät die Zivilbevölkerung, wie das Beispiel Gimri zeigt.

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