Syrien: Zwei Bischöfe entführt

Nach einer Meldung der libanesischen Zeitung „Daily Star“ hat am gestrigen Montag, den 22. April 2013, eine bewaffnete Gruppe zwei syrische Bischöfe in der Nähe von Aleppo im Norden von Syrien entführt. Bei den Entführten handelt es sich um Ibrahim Hanna, Bischof der syrisch-orthodoxen Kirche von Aleppo und Bischof Boulos Yazigi von der griechisch-orthodoxen Kirche. Sie seien in einen Hinterhalt geraten, als sie auf dem Weg waren, in Al Mansura Verhandlungen zur Freilassung eines entführten Priesters zu führen. Der Fahrer, ein Diakon, wurde von den Entführern getötet. (Quelle: http://www.ankawa.com/forum/index.php/topic,660642.0.html)

Extremisten aus der Reihen der so genannten Freien Syrischen Armee (FSA) greifen immer wieder Christen an. Nach Informationen der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) verlassen immer mehr Christen das Land. Die meisten von ihnen finden im benachbarten Libanon Zuflucht. Die Flüchtlinge werden in den christlichen libanesischen Gemeinden an der Mittelmeerküste im Norden des Landes untergebracht. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) wurden in Syrien bisher über 70.000 Menschen getötet.  Mindestens eine Million Menschen sind in den Libanon, nach Jordanien, in die Türkei und in den Irak geflohen. Etwa fünf Millionen befinden sich im eigenen Land auf der Flucht und brauchen dringend Hilfe. Circa 300.000 der geschätzten 1,9 Millionen Christen in Syrien sind auf der Flucht, mindestens 1000 wurden bereits getötet. (Quelle: http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2013/Die_Lage_der_Christen_in_Syrien.pdf)

Die GfbV hat seit Beginn der „syrischen Krise“ im März 2011 wiederholt an die deutsche Bundesregierung appelliert und Hilfe für alle Minderheiten in Syrien gefordert. Nach mehr als vierzig Jahren Diktatur haben Kurden, Assyro-Aramäer, Armenier, Drusen, Ismailiten, Christen und Yeziden, aber auch muslimische Araber eine bessere Zukunft verdient und nicht eine andere Diktatur, nämlich die der Islamisten. Die internationale Staatengemeinschaft darf nicht länger zusehen, wie die gesamte Zivilbevölkerung in Syrien unter einem schmutzigen Stellvertreterkrieg zwischen einer „schiitischen“ und einer „sunnitischen“ Allianz leidet.

Die GfbV fordert als langfristige politische Lösung für das neue Syrien Religions- und Meinungsfreiheit. Auch wäre ein föderativer Staatsaufbau zu begrüßen, weil er einer strukturellen Machtzentralisierung entgegenwirkt. Auf alle Fälle darf es aber nicht wieder vorkommen, dass Repräsentanten einer einzigen Bevölkerungsgruppe, wie momentan Baschar al-Assad und seine alawitischen Verbündeten, an die Macht kommen und über die multireligiöse und multiethnische Bevölkerung im Staat herrschen.

Mehr zur Situation der Christen in Syrien unter:
http://www.gfbv.de/land.php?id=46

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