Ayoreo besetzen Trans-Chaco Highway in Paraguay

Text: Pia Teresa Ilg

Seit Dienstag (23. Juli 2013) besetzen ca. 100 Mitglieder der indigenen Ayoreo den Trans-Chaco Highway im Departamento Presidente Hayes im Westen Paraguays. Die Straße durch das Waldgebiet Chaco ist Teil des Pan-American Highways von Alaska nach Feuerland. Mit der Blockade will sich die Ayoreo-Gemeinschaft bei den Behörden Gehör verschaffen, denn paraguayische Farmer befinden sich illegal auf dem Territorium, das ihnen bereits 1997 offiziell zugeschrieben wurde. Jedoch behaupten die Farmer, das Land gehöre ihnen und haben bereits begonnen, weite Fläche des ohnehin bedrohten Waldes zu roden.

Mittlerweile wird im gesamten Chaco schneller Wald abgeholzt als in der Amazonasregion, berichtet die ecuadorianische Tageszeitung El Comercio. Besonders in letzter Zeit nahm die Geschwindigkeit, mit der Unmengen Hektar Wald den Bulldozern zum Opfer fielen, rasant zu. Der Nichtregierungsorganisation Guyra Paraguay zufolge waren es im Juni 2013 bereits durchschnittlich 1.295 Hektar pro Tag – im Vergleich zu 442 Hektar pro Tag im Mai. Der größte Teil des Waldes ist in privater Hand und darf ge- und verkauft werden. Der massiven Bewirtschaftung steht somit nichts im Wege. Auch Unternehmen aus den Nachbarländern Argentinien und Brasilien wollen an dem Wirtschaftsboom teilhaben und gieren nach dem letzten „freien“ Stück Südamerikas, das landwirtschaftlich genutzt werden kann. Die riesigen Flächen sind bestimmt für Viehzucht und Sojaplantagen – Paraguay ist inzwischen viertgrößter Sojaexporteur weltweit und an neunter Stelle, was die Produktion von Rindfleisch anbelangt.

Doch die Zeit drängt. Nichtregierungsorganisationen und Umweltschützer versuchen, durch Landkauf und Wiederaufforstung zu retten, was zu retten ist, denn der Wald ist unter anderem Lebensraum für indigene Völker wie die Ayoreo. Eines der letzten indigenen Völker südlich des Amazonas, das in freiwilliger Isolation lebt, ist eine der Untergruppen der Ayoreo, die Totobiegosode. Die Ayoreo, die nun den Trans-Chaco Highway besetzen, wurden bereits vor Jahren kontaktiert und sind heute sesshaft. Den nicht sesshaften Totobiegosode gibt der Wald alles, was sie zum Leben brauchen: Nahrung, Medizin und Baumaterial. Wird der Kampf um die Ressource Boden nicht gestoppt, so wird ihr Lebensraum immer weiter schrumpfen. Schon jetzt drängen die wachsenden Sojaplantagen und Viehweiden die Indigenen immer weiter gen Norden, viele von ihnen befinden sich auf ständiger Flucht vor den Bulldozern.

Mit ihrer Straßenblockade wehren sich die Ayoreo gegen die illegale Landnahme. Das Gebiet, auf dem paraguayische Farmer bereits Gatter für Viehweiden errichten, gehört den Ayoreo offiziell seit 1997 und unterliegt verschiedenen Schutzbestimmungen. Diese wurden durch das Eindringen der Farmer bereits verletzt. Bei ihrer Arbeit werden sie von der Polizei sogar geschützt. Es besteht nicht nur Gefahr für das ökologische Gleichgewicht des Waldes. Die Ayoreo sorgen sich vor allem um die unkontaktieren Totobiegosode in ihrem Territorium, für die der Kontakt zu Außenwelt tödlich enden könnte, da sie keine Abwehrkräfte gegen bestimmte Krankheiten besitzen. Die Ayoreo haben vor, den Trans-Chaco Highway solange zu blockieren, bis die Farmer von ihrem Gelände verschwunden sind.

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