Dramatischer Appell führender russischer Menschenrechtsaktivisten an die kulturelle Elite: Ergreifen Sie das Wort gegen die fremdenfeindliche Hysterie im Land!

Am 22. August veröffentlichten führende Köpfe der russischen Menschenrechtsbewegung einen Appell, in dem sie Schriftsteller, Schauspieler, Künstler und andere aufriefen, sich gegen die fremdenfeindliche Hetze in der Russischen Föderation zu stellen. „ Unsere Gesellschaft ist von solch tiefem Hass durchdrungen, dass der einzige Ausweg ein Bürgerkrieg erscheint. Die Situation ist so gefährlich, dass der Funken eines Streichholzes das Feuer zum Ausbruch bringen könnte. Die Politiker agitieren gegen den „Feind Nr. 1“, die Migranten und nutzen dabei die verbreitete Fremdenfeindlichkeit aus.  Wir beobachten eine zynische Manipulation der Gesellschaft, daher ist es wichtig, dass sich einflussreiche Stimmen gegen diese Stimmungsmache wenden.“ (…) „In den Talkshows der Fernsehsender und in den Zeitungen werden vollkommen absurde Zahlen über den Anstieg der Kriminalität und die ansteckenden Krankheiten der Migranten veröffentlicht. Diese Zahlen haben nichts mit den offiziellen Angaben der zuständigen Ministerien zu tun.“

Gleichzeitig floriere das Geschäft mit Sklaven. Anfang des Jahres sei die Sklavenhaltung in einem Moskauer Kaufhaus aufgeflogen, darüber sei auch breit berichtet worden. Bis heute jedoch sei es nicht gelungen, einen Prozess auf den Weg zu bringen. Im Gegenteil beschuldigte die Regierung die Opfer selbst, an ihrer schrecklichen Lage Schuld zu sein. Dabei sei es genau anders herum. Russland brauche die Migranten. Sie trügen zum Beispiel  7 % des Bruttoinlandsproduktes bei.  Die fremdenfeindliche Hetze breite sich im ganzen Land aus.  So seien in Kronstadt an markanten Orten der Stadt Briefkästen aufgestellt worden, für anonyme Briefeschreiber, die über die Migranten berichten sollen. Auch wurde der Vorschlag gemacht, die Migranten sollten auf ihrer Kleidung ein Zeichen tragen, um sie zu identifizieren („Warum nicht einen gelben Stern?“ fragen die Unterzeichner des Briefes. ) Dies alles erinnere an die Politik Hitlers, schreiben die Autoren. Und fragen dann, warum die Schauspieler, Kulturschaffenden und Autoren denn schweigen, ob sie über die  Liederlichkeit der Medien nicht entsetzt seien.  „Ein anständiger Mensch kann heute nicht schweigen. Sprechen sie jetzt, sonst könnte es sein, dass ihnen morgen niemand zuhört.“  

Unterzeichner sind Ludmila Alekseevna, Moskauer Helsinki Gruppe

Svetlana Gannuschkina, Komitee Bürgerhilfe

Lidija Grafova, Forum der Flüchtlingsorganisationen

Sergej Kowaljow, Sacharow Zentrum

Arsenij Roginskij, Memorial International

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