Guatemala: Elf Tote bei Massaker in Maya-Dorf

Am 7. September 2013 wurden in San José Nacahuil (Departamento Guatemala) im Süden Guatemalas elf Personen ermordet und 17 schwer verletzt. Eine Gruppe Bewaffneter soll gegen 23 Uhr mit einem gestohlenen Auto in das Dorf gefahren sein und willkürlich auf Menschen auf der Straße und Besucher einer Bar geschossen haben. Zu den Verletzten gehören vermutlich zwei elfjährige Mädchen. In dem Dorf leben größtenteils Angehörige der Maya-Untergruppe Kaqchikel. Viele Bewohner sind Teil einer lokalen Protestbewegung gegen die Goldmine „El Tambor“. 

Text: Pia Teresa Ilg

Die Mine ist eine Kooperation des US-amerikanischen Unternehmens Kappes Kassiday & Associates KCA mit der guatemaltekischen Exploraciones Mineras de Guatemala S.A. (EXMINGUA) und seit 2011 in Betrieb. Sie liegt zwischen den Dörfern San José del Golfo und San Pedro Ayampuc, deren Bewohner 2010 die friedliche Protestbewegung von La Puya ins Leben riefen. San José Nacahuil schloss sich dem Widerstand sofort an. Das guatemaltekische Bergbaugesetz erlaubt Unternehmen, unkontrolliert Wasser aus der Region für den Gold-Abbau zu verwenden und mit Chemikalien zu versetzen, erklärt ein Bewohner aus San José del Golfo in einem Interview mit IPS. Deshalb fürchten die Demonstranten Umweltverschmutzungen und eine Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität. Im März 2012 errichteten sie ein Camp vor dem Eingang von „El Tambor“. Seither verwehren sie durch Sitzblockaden regelmäßig den Zugang zur Mine.

Seit dem 31. August 2013 wurden die La-Puya-Demonstranten häufig durch Kontrollen der guatemaltekischen Polizei PNC (Policía Nacional Civil) eingeschüchtert. Eine Beschwerde bei der Leitung der Polizeibehörde wurde bereits eingereicht. Denn Polizisten haben in La Puya keine Befugnis genauso wenig wie in San José Nacahuil, das eine eigene Verwaltung hat und seit 2005 selbst für seine Sicherheit verantwortlich ist. Trotzdem sollen laut einer offiziellen Mitteilung der Dorfgemeinde die Besitzer einer Bar in San José Nacahuil am 7. September gegen 22.45 Uhr von Polizisten bedroht worden sein. Alle Besucher seien aufgefordert worden, sich registrieren zu lassen. Kurz darauf geschah das Massaker.

Bislang gibt es keine Hinweise auf die Täter. Die Medien interpretieren die Ereignisse als Eskalation eines Bandenkonflikts. Auch die lokalen Behörden hegen den Verdacht, dass Jugendbanden involviert sind. Viele Dorbewohner halten dies jedoch für unwahrscheinlich. Die Morde wirken auf sie zu professionell, um von Jugendbanden organisiert worden zu sein. Ihrer Meinung nach müssen sich die Täter gut mit den Waffen ausgekannt haben. Die Dorfbewohner werfen den Medien vor, die Ereignisse manipulieren zu wollen und fordern eine schnelle Aufklärung der Vorfälle.

Nicht zum ersten Mal werden die Gegner der Goldmine „El Tambor“ Opfer von Gewalt. Am 12. Juni 2012 wurde zum Beispiel die Aktivistin Yolanda Oquelí von Unbekannten angeschossen. Auch sie war Teil der La-Puya-Protestbewegung. Die Bewohner von San José Nacahuil fürchten, dass die jüngsten Vorfälle ein Vorwand für die Militarisierung der Region sind.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s