Putins Spiele – Zerstörung und Korruption im Nordkaukasus

„Allen war klar, dass 2014 ein schlechtes Datum für die Winterspiele in Sotschi sein würde. Vor 150 Jahren endete dort der über 100- jährige Krieg, den die Armee des Zaren gegen die Völker im Kaukasus führte. Diese „tscherkessische Frage“ würde uns stark beschäftigen, das war uns schon bewusst“, sagte der unabhängige Journalist und Kaukasusexperte, Ivan Sukhov in seinem Einleitungsstatement zu der Veranstaltung „Putins Spiele“ in der Heinrich Böll Stiftung in Berlin am 21. November.

Er nannte weiter die Winterolympiade „kaukasische Spiele“, die möglichst wenig mit dem Kaukasus zu tun haben sollten. Es gehe rein um „Imitation“, um eine „PR-Kampagne“ für Putins Russland und besonders für den Nordkaukasus. Natürlich hätten sich die Vorzeichen gedreht. Anstatt wirklich Werbung für Russland zu machen, würde die Vorbereitung der Spiele, die am 7. Februar 2014 eröffnet werden, ein Schlaglicht auf die schlechte Lage der Menschen- und Bürgerrechte in Russland werfen. „Daher hoffen wir, dass alle Welt erfährt, wie es um Russland eigentlich steht und dass Sotschi ein abschreckendes Beispiel für alle ist, die sich auch überlegen, olypmische Spiele auszutragen“, ergänzt Suren Gazayan von der wichtigen Umweltschutzorganisation Ekologicheskaja Wachta.

Er berichtete von vergifteten Flüssen, von Abfallbergen, die zuerst in Sotschi abgeladen, dann 300km aus dem Ort hinausgeschafft würden. Es habe kein Konzept gegeben, was mit dem Aushub der riesigen Sportstätten passieren sollte. Dabei seien auch Giftstoffe wie Schwermetalle, die in der Erde gelagert hätten, an die Oberfläche befördert worden: „Eine Winterolympiade in Sotschi, das ist ein Verbrechen“.

Extreme Korruption führte dazu, dass ganz wenige reich wurden, viele andere ihre Häuser verloren, jahrelang unter den riesigen Baustellen, Staub, Verkehr, Lärm und Verschmutzung litten – und das für 12 Tage Winterolympiade! Mittlerweile schiebt man die Migrationsarbeiter, die Russland zuvor aus den verarmten Staaten Zentralasien holen musste, weil alle anderen Arbeitskräfte zu teuer waren, ab, ohne ihre Löhne auszuzahlen. „Sie mussten in Ghettos leben und haben oft regelrecht gehungert. Die lokale Bevölkerung musste ihnen Essen in die Lager bringen“, berichtet Suren Gazayan weiter.  Nun versucht die Menschenrechtsorganisation Memorial sich um sich zu kümmern, aber eigentlich ist alles zu spät, fürchtet Gazayan. Die beiden Gäste aus Russland zeichneten ein schwarzes und negatives Bild des Vorgehens des Staates in Sotschi. Niemand sei hier gefragt worden, ob er die Spiele wolle. Aber Putin sei mit 90 Tonnen Gepäck zu der entscheidenden Konferenz nach Guatemala geflogen und jede Stimme für Sotschi sei gekauft worden.

Die Welt wird im Februar auf Sotschi schauen und hoffentlich auch diese vielen dunklen Seiten sehen, damit die Menschen in Russland, die sich für Umweltschutz und Menschenrechte einsetzen, endlich mehr Unterstützung haben!

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