Reich vs. Indigen – Landkonflikt in Guatemala

Die Q’eqchi-Maya der Gemeinde Saquimo Setaña in Alta Verapaz, Guatemala sehen sich immer wieder Brandstiftungen, Diebstahl ihrer Ernte, physischen Angriffen und Festnahmen ihrer Gemeindesprecher unter falschen Anschuldigungen ausgesetzt. Grund dafür ist ein seit Jahren währender Landkonflikt.

Text: Stephanie Brause

Die indigene Bevölkerung Guatemalas wurde bis 1944 per Gesetz gezwungen, Zwangsarbeit zu verrichten. Die Anzahl der Zwangsarbeitstage variierte zwischen 100 und 150 Tagen im Jahr und musste in einem Arbeitsbuch festgehalten und bestätigt werden. Dies änderte sich, als Juan José Arévalo Bermejo die Macht im Land übernahm und eine Phase der Demokratie einleitete. Von der Zwangsarbeit betroffene Familien sollten als Entschädigung Land erhalten. Der damalige Großgrundbesitzer Francisco Joel Garcia Lara in Saquimo Setaña hielt jedoch weiter an der Zwangsarbeit auf seinen Plantagen fest und weigerte sich, Land an die Maya abzugeben. Einige der Gemeindemitglieder gingen daraufhin vorübergehend nach Mexiko, wo sie auf Papayaplantagen arbeiten. Mit dem erarbeiteten Geld konnten sie nach dem Tod von Garcia Lara im Jahr 1987 das Land kaufen, welches sie momentan bewohnen.

Acht Jahre später erklärte sich Maria Elena Garcia Ical zur Erbin des früheren Landbesitzers und somit rechtmäßige Besitzerin des Gemeindelandes. Sie ignorierte die Dokumente, die die Q’eqchi-Maya als rechtmäßige Besitzer ausweisen und verlangte, dass die Gemeinde sich von ihrem Land entfernen sollte. Um eine gewaltsamen Auseinandersetzung zu unterbinden, zog die indigene Gemeinde auf die andere Seite des Flusses, der durch das betreffende Land fließt. Seit April 2010 versucht Garcia Ical die Q’eqchi-Maya auch von dort zu vertreiben. Sie selbst kann jedoch weder Rechtstitel auf das Land noch ihre Erbschaft nachweisen. Die Q’eqchi-Maya hingegen können neben Besitzdokumenten auch Jahrzehnte illegaler Sklaverei und mehr als zwanzig Jahre physische Präsenz belegen. Die Behörden haben es bisher versäumt, die Landbesitzfrage rechtsgültig zu klären.

Verbreitungsgebiet der Q'eqchi-Maya in Guatemala Karte: Dan Cole

Verbreitungsgebiet der Q’eqchi-Maya in Guatemala
Karte: Dan Cole

Garcia Ical wird von der Polizei und lokalen Behörden unterstützt. Durch Korruption gelingt es ihr, Zwangsräumungen und Haftbefehle gegen Q’eqchi-Maya zu erwirken. Außerdem zeigt sie Gemeindemitglieder wegen Verbrechen, die sie nicht begangen haben, an. Unterstützt wird sie von ihrem Ehemann Benjamin Soto, der nicht davor zurückschreckt, einzelne Maya tätlich anzugreifen.

Im Zuge des Konflikts wurden mehrere Q’eqchi aus Saquimo Setaña auf Basis falscher Anschuldigungen verhaftet. Sie berichten, dass sie von Beamten misshandelt wurden und dass ihnen Essen und Medizin vorenthalten wurde. Sie seien unter Druck gesetzt worden, Falschaussagen zu unterschreiben, die andere Gemeindevertreter konstruierter Verbrechen beschuldigen. Zurzeit befinden sich Pablo Sacrab, Crisanto Cuc Xol und Sebastian Choc in Haft.

Auch Brandstiftungen sind Teil der Einschüchterungsmaßnahmen. Am 31. August 2010 zum Beispiel drangen Garcia Ical und bewaffnete Mitglieder ihrer Familie in Saquimo Setaña ein und drohten, die Dorfbevölkerung anzugreifen und ihre Ernte zu stehlen. In der Nacht trafen Polizisten und Soldaten ein. Sie weigerten sich, gegen die Familie von Garcia Ical vorzugehen. Zwei Tage später griff die Familie unter Leitung von Benjamin Soto erneut an und brannte das Haus des Gemeindeführers Pedro Cuc nieder. Dies ist leider kein Einzelfall. Zahlreiche Q’eqchi-Familien sind inzwischen Opfer von Brandstiftung geworden.

Die Wirtschaft der Q’eqchi-Gemeinschaft basiert größtenteils auf dem Anbau von Kardamom. Ihre Ernte wurde allerdings wiederholt gestohlen. Da Kardamom erst nach mehren Jahren geerntet werden kann, versetzt der Verlust ihrer Ernte die Familien in eine wirtschaftliche Notlage. Zudem wurden Teile des umliegenden Waldes abgeholzt.

Die Rechte der Q’eqchi-Maya von Saquimo Setaña werden von der wohlhabenden Familie von Marcia Elena Garcia Ical sowie von Polizei und lokalen Behörden systematisch verletzt.

Unterschreibt diese Onlinepetition und fordert die guatemaltekische Regierung auf,

– die Unterstützung der gewaltsamen Angriffe auf die Q’eqchi-Gemeinde Saquima Setaña zu beenden;
– politische Gefangene, die sich innerhalb des Konlikts engagieren, frei zu lassen;
– Haftbefehle gegen Gemeindemitglieder, mit denen Geständnisse erzwungen werden sollen, aufzuheben;
– Drohungen und physische Angriffe, mit denen Geständnisse erzwungen werden sollen, zu unterlassen;
– finanzielle Entschädigungen für die gestohlenen Ernten, abgebrannten Häuser und illegale Festnahmen von Gemeindemitgliedern zu zahlen;
– Benjamin Soto festzunehmen
– sowie eine Untersuchung wegen Korruption bezüglich Maria Elena Garcia Ical und den lokalen Behörden einzuleiten.

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