Umea – Kulturhauptstadt Europas 2014 – Samische Kultur und Lebensweise in Gefahr

Umea in Nordschweden ist seit dem 1.1.2014 Kulturhauptstadt Europas. Die Stadt wirbt damit, das „Fenster zur Sami-Kultur“ zu sein. So orientieren sich die Veranstalter von Konzerten, Ausstellungen und Events in Umea am samischen Kalender, der nicht vier, sondern acht Jahreszeiten umfasst. Außerdem sollen aus dem Gesamtbudget von 410 Millionen schwedischen Kronen (etwa 46 Millionen Euro) 50 Millionen (etwa 5,6 Millionen Euro) für Veranstaltungen rund um die samische Kultur ausgegeben werden. Die Gesellschaft für bedrohte Völker warnt davor, dass die schwedische Urbevölkerung zu touristischen Zwecken ausgenutzt werden könnte – samische Kultur und samische Lebensweise sind mehr als Folklore! Um die Samen in Schweden zu schützen, müsse viel getan werden. Im vergangenen Jahr hat die Gefährdung der Samen durch brutalen Raubbau von Eisenerz und anderen Bodenschätzen international zu Protesten geführt. Darüber darf die Kulturhauptstadt Europas keinen Mantel des Schweigens hängen!

Zum Hintergrund:

Der schwedischen Bergbaubehörde liegen aktuell 945 Anträge
auf Grubeneröffnungen in Nordschweden, zwischen Idre Fjäll in Dalarna und der schwedisch-finnischen
Grenze vor. Eine Grube, betrieben von der britischen Beowulf Mining Corporation, liegt zwischen Jokkmokk und Kvikkjokk.

Die Samen, die hier seit Jahrtausenden leben, leisteten im Sommer 2013 aktiven Widerstand gegen die Beowulf Aktivitäten und harrten wochenlang in einem Protestcamp aus, das mehrmals von der Polizei geräumt wurde. Ihre Befürchtungen:

Bei den Sprengungen entstehen Stickstoff und Schwefel, die sich ablagern.
•Es müssen Infrastrukturmaßnahmen ergriffen werden, z. B. Straßenverstärkungen und
Bahnlinienausbau, welches auf Kosten des Weidelandes für Rentiere geht.
•Die Probebohrungen und Untersuchungen bedeuten große Investitionen in das Vorhaben.
Dann wird es für die Behörden schwierig, eine Genehmigung aus Umweltgründen zu versagen.
• Beginnt ein Unternehmen seine Minenarbeiten, wirkt das wie ein Startsignal für alle anderen, die auch fördern wollen. „Das ist wie das Öffnen von Pandoras Büchse“, sagt Tor Lundberg, Gründer des Netzwerkes „Inga Gruvor i Jokkmokk“ (Keine Gruben in Jokkmokk)
•Beim Fördern von Metallen entstehen Giftcocktails, die teilweise sogar strahlen (Uran
und Nickel, z.B.).
•Es kommt zu Abholzungen von Wäldern und Trockenlegung von Seen.

Das sind Eingriffe in die äußerst empfindliche Natur, wo die beiden Samedörfer Sirges und
Jahkagaska Weidegründe haben, und sich die Wanderwege der Rentiere befinden.
Der oberste schwedische Gerichtshof hat in einigen Rechtsfällen den Samen die Eigentumsrechte
an ihrem traditionellen Land zugestanden. Auch James Anaya (UN- Berichterstatter für indigene Belange) hat den skandinavischen Staaten in seinem Bericht über Norwegen, Schweden und Finnland
vorgeworfen, dass die Samen immer noch diskriminiert und ihre Rechte nicht genügend beachtet
werden.

Ein weiteres Grubenvorhaben befindet sich an der Straße von Kiruna nach Nikkaluoakta. Von dort
bis zum Kalfjället -Gebirge plant das australische Bergbauunternehmen Hannens Reward ltd. ein
großes Abbauprojekt. Diese Gesellschaft hat mindestens sieben weitere Gebiete in der Gegend im Visier.Das Erzvorkommen hier ist das drittgrößte nach Kiruna und Gällivare. Bisher wurden die hohen
Kosten gescheut, weil es sehr unzugänglich ist und dementsprechend Infrastruktur aufgebaut
werden muss, was natürlich zu weiteren Zerstörungen in der Gebirgswelt und darüber hinaus führen
wird. Das Abbaugebiet stößt im Süden an das Weltkultur- u. Naturerbe Lapponia, östlich begrenzt
vom Kaitum-Naturreservat und im Westen schließt das Kebnekaise-Gebiet an

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