Wasser – eine umkämpfte Ressource im Nahen Osten.

Ein Vortrag von Kamal Sido.

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Im Rahmen des „Fernwehfestivals“ 2014 hielt GfbV-Nahostreferent Kamal Sido am Sonntag, 19.01.2014, einen Vortrag über die ökonomischen und demographischen Folgen des vermehrten Baues von Staudämmen innerhalb der Türkei.

Ziel der Türkei ist es unter den zehn Ländern zu sein, die am meisten Strom exportieren. Und dieser Strom soll durch Staudämme, besonders an den Flüssen Euphrat und Tigris, gewonnen werden. Unprofitalbe Folgen werden dabei jedoch weitgehend ignoriert: Städte, die flussaufwärts von Staudämmen liegen, werden überflutet und die Bürger müssen umgesiedelt werden. Flussabwärts liegende Städte erhalten nicht mehr die nötige Wasserversorgung. Davon sind besonders auch Syrien und der Irak betroffen, die flussabwärts der Türkei sowohl vom Tigris als auch vom Euphrat als Wasserquellen abhängen. Verhandlungen über Wassermengen, zu denen sich die Türkei verpflichtet sie in die Nachbarländer durchzulassen waren bisher nicht erfolgreich.

Der geplante Bau des Staudammes Ilisu in Südostanatolien hat besondere Proteste hervorgerufen: Durch ihn würde die historische Stadt Hasankeyf überflutet werden und damit ihre jahrhundertealten Schätze verloren gehen. Internationale Proteste sowie der Abzug von deutschen und österreichischen Geldgebern konnten den Bau bisher stoppen.

Neben Städten, die vom Bau der Staudämme bedroht sind, werden auch Minderheiten, die in ihrem Leben von der Flüssen abhängen, bedroht: So zum Beispiel die Marsch-Araber, die im südlichen Irak am Zusammenfluss des Euphrat und Tigris hauptsächlich vom Fischfang leben. Es wird befürchtet, dass diese bereits politisch unterdrückte und deshalb dezimierte Kultur, durch den weiteren Bau von Staudämmen und das austrocknen ihres Lebensraumes, verschwinden wird.

Ebenfalls betroffen ist die Kultur der Lasen, welche im Nordosten der Türkei hauptsächlich vom Teeanbau leben. Besonders problematisch ist für diese Minderheit die künstliche Begradigung von Nebenflüssen, um diese effektiver für Staudämme nutzen zu können. Nicht berücksichtigt wird dabei natürlich der von der Wasserversorgung durch die Flüsse abhängige Anbau der Lasen.

Foto: GfbV
Text: Tonja Klausmann

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