David gegen Goliath: die mexikanischen Huicholen gegen den kanadischen Riesenkonzern First Majestic Silver

von Vanessa Müller

Jedes Jahr pilgern Angehörige der 40.000 Huicholen in Zentralmexiko wie einst ihre Vorfahren 550 km in das heilige Land Wirikuta, wo der Legende nach die Sonne geboren wurde, um Regen und Gesundheit zu erbitten. Diese Pilgerroute ist die einzige Möglichkeit, um das kulturelle Erbe der indigenen Volksgruppe zu erhalten, weil ihr Wissen nur mündlich überliefert wird. Nachdem die mexikanische Regierung dem kanadischem Bergbauunternehmen First Majestic Silver auf diesem heiligen Gebiet 22 Genehmigungen für die Silberförderung ausstellte, ist die Reise und somit das kulturelle Vermächtnis der Huicholen bedroht. Neue Gerichtsurteile geben jedoch Grund zur Hoffnung.

Die Huicholen leben in verschiedenen Gemeinden über die Bundesstaaten Durango, Jalisco, Nayarit und Zacatecas in Zentralmexiko verteilt. Jedes Jahr unternehmen sie eine zeremonielle Reise in das mehr als 140.000 ha große Gebiet Wirikuta. Dabei lernen die jungen Huicholen von den Ältesten ihre Kultur und Geschichte kennen, indem sie singen oder Legenden erzählen und an stammeseigenen Ritualen teilhaben. Auf diese Weise wird das Vermächtnis der Huicholen erhalten, weil ihr gesamtes Wissen nur mündlich überliefert wird.

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Knterox / Flickr CC BY-NC-SA 2.0

In der Vergangenheit wurde Wirikuta immer wieder Zielscheibe industrieller und landwirtschaftlicher Großprojekte, die das empfindliche Ökosystem stören. Sie haben bereits zu einem Rückgang des Kakteengewächses Peyote geführt, welches eine wichtige Rolle bei den Ritualen der Huicholen einnimmt und seit Kurzem auf der Roten Liste gefährdeter Arten geführt wird. Ein großer Teil Wirikutas gilt wegen seiner einzigartigen Fauna und Flora als Naturschutzgebiet. Nun hat die mexikanische Regierung 22 Genehmigungen zur Exploration und Förderung von Silber an das Unternehmen Minera Real de Bonanza, eine Tochter des kanadischen Bergbauunternehmens First Majestic Silver, vergeben. Das Konzessionsgebiet erstreckt sich auf 70 % dieses Naturschutzgebietes sowie auf wertvolle historische Plätze für die Huicholen. Dabei werden nicht nur die Naturschutzgebietsverordnung und das Artenschutzgesetz verletzt, sondern auch der im Jahr 2008 von dem Präsidenten Felipe Calderón und Vertretern der Huicholen unterzeichnete Pakt Hauxa Manaka. Der Pakt stellt die Huicholen unter die Schirmherrschaft des Präsidenten und garantiert den Erhalt des 140.212 ha großen Gebietes Wrikuta. Ebenso wurde das von Mexiko im Jahr 1990 unterzeichnete Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation über eingeborene und in Stämmen lebende Völker in unabhängigen Ländern (ILO 169) verletzt. Ein weiteres Gesetz des Bundesstaates San Luis Potosí garantiert den indigenen Minderheiten eine Vorabkonsultation bei Vorhaben wie dem Bau einer Silbermine. Die Huicholen wurden nicht vorher über das Bergbauproject von First Majestic Silver unterrichtet. Freigegebene Informationen sind häufig falsch und dienen dazu, ansässige Bewohner gegen die Indigenen aufzuhetzen und Diskriminierung zu fördern. Der Konflikt verschärfte sich durch die Berufung von Hector Moreno in den Verwaltungsrat des Naturschutzgebietes Wirikuta. Moreno, der eigentlich Stadtrat des an Wirikuta angrenzenden 1.000 Bewohner großen Dorfes Real de Catorce ist, gehört zu den größten Befürwortern des Silberbergbauprojektes. Wie andere Medien berichten, hat er finanzielle Beziehungen zu First Majestic Silver und führe aus diesem Grund eine Kampagne der Desinformation[1]. Minera Real de Bonanza zeigte sich im August 2013 mit einer äußerst großzügigen Spende von 118.815,93 € für ein Schulzentrum in dem kleinen Dorf Real de Catorce des Stadtrates Morenos erkenntlich.

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Archivo de Proyectos / Flickr CC BY-NC-SA 2.0

First Majestic Silver nutzt eine Reihe chemischer Stoffe, um das Silber aus dem Gestein zu lösen. Dazu gehört das hochgiftige Cyanid, das eine große Gefahr für die Wasserversorgung der Region ist. Der hohe Wasserverbrauch der Mine bedroht das Grundwasser, die für den Abbau genutzten Chemikalien erhöhen das Risiko von Atemwegserkrankungen sowie Magen-Darm-Beschwerden und Krebserkrankungen.

Ein Gerichtsurteil durch das Bundesgericht im Jahr 2012 entschied aufgrund des Verstoßes gegen das ILO 169 Übereinkommen, dass First Majestic Silver ihre Genehmigungen zurückgeben müsse. Zusätzlich wurden 45.000 ha Wirikutas zu einem vor Bergbau geschützten Gebiet erklärt. First Majestic Silver musste daraufhin 761 ha ihres 6.327 ha großen Gebietes aufgeben. Dieser Bereich schließt den heiligen Cerro Quemado der Huicholen ein. Das nun geschützte Gebiet beträgt etwas mehr als 30% der Fläche Wirikutas. In den verbleibenden 70% (98.148 ha) können First Majestic Silver wie auch andere große Bergbaukonzerne ungestört weiterarbeiten.


[1] Jiménez, Eugenia. 2013. „Denuncia frente wirikuta campaña de desinformacion en su contra.” In Milenio: http://www.milenio.com/estados/Denuncia-Frente-Wirikuta-campana-desinformacion_0_104989563.html

Barnett, Tracy L. 2013. „Campaign Update – Mexico: Injunction filed to halt illegal exploration drilling in Wirikuta.“ in: Cultural Survival: http://www.culturalsurvival.org/news/campaign-update-mexico-injunction-filed-halt-illegal-exploration-drilling-wirikuta

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