Westjordanland – „We refuse to be enemies – Wir weigern uns Feinde zu sein“

Das Lebensmotto der Familie Nassar aus dem Westjordanland wurde am 19. Mai 2014 auf eine harte Probe gestellt…

Seit 2000 befindet sich auf dem Grundstück der Nassars ein multikulturelles und multireligiöses Begegnungs- und Friedenszentrum, das weltweit Besucher und internationale Freiwillige anzieht. Durch seine gewaltfreie Antwort auf die israelische Besatzung hat das „Zelt der Völker“ viele Sympathien und Unterstützer gewonnen.

Südlich von Bethlehem (Westjordanland) befindet sich das etwa 42 Hektar große Stück Land, welches sich seit 1916 im Besitz der Familie Nassar befindet.

Der Besitztitel wurde in das Grundbuch des Osmanischen Reichs eingetragen, zu dem die gesamte Region gehörte. Später fand sich das Gelände im Grundbuch der britischen Mandatsregierung wieder, dann in dem der jordanischen und zuletzt im Grundbuch der israelischen Besatzungsmacht. Ihre Besitzdokumente aus allen vier Epochen hüten die Nassars wie ihren Augapfel, denn ihr Land ist sehr begehrt:

Heute befinden sich auf den benachbarten Hügeln des Nassar-Grundstücks israelische Siedlungen, die dort völkerrechtlich illegal errichtet worden sind. Zu gern würden die Gemeindeverwaltungen ihre Siedlungen durch Straßen miteinander verbinden und vergrößern. Das dies nicht längst geschehen ist, liegt an der Standfestigkeit der Nassars, denen sogar Blankoschecks und Ausreise-Visa geboten worden sind, damit sie ihr Land verkaufen.

Ihre Nachbarn haben ihr Land bereits vor Jahrzehnten durch Enteignung an die israelischen Siedler verloren. Die Nassars sind durch die lückenlose Dokumentation ihres Besitzrechts geschützt – sollte man meinen. Trotzdem befindet sich die Familie seit 1991 ununterbrochen in Gerichtsverfahren, da das israelische Militär das Land immer wieder als „Staatsland“ deklariert hat, wogegen der Anwalt der Familie stets Einspruch einlegt. Mit den dabei entstehenden Anwaltskosten von bisher mehr als 100.000 Euro, durch die Verweigerung von Baugenehmigungen und eines Wasser- und Stromanschlusses soll die Familie offensichtlich zur Aufgabe ihres Landes gedrängt werden.

Was sich am frühen Morgen des 19. Mai abspielte, ist ein neuer Höhepunkt der Repressionen:

Augenzeugen berichten, dass das israelische Militär ab etwa sieben Uhr morgens die Zufahrtsstraßen des Geländes abgeriegelt hätte. Dann hätten drei israelische Siedler innerhalb von zwei Stunden den Baumbestand auf etwa zehn Hektar Fläche mit Planierraupen vernichtet. Als die in Bethlehem lebende Familie Nassar kurze Zeit später eintraf, fand sie eine schreckliche Situation vor: Wo vormals 1.500 kurz vor der Ernte stehende Weinstauden, Aprikosen- und Apfelbäume standen, war nun eine Mondlandschaft zu sehen.

Hinzugeholte Mitglieder des kirchlichen Organisation „Ökumenisches Begleitprogramm in Palästina und Israel“ (EAPPI) waren vom Ausmaß der Zerstörung ebenfalls sichtlich schockiert. Keiner der anwesenden internationalen Beobachter konnte für die Unterstützung des Kahlschlags seitens des israelischen Militärs Verständnis entwickeln.

Toni Nassar und seine Familie ließ sich auch durch diesen enormen Verlust nicht von seinem Weg abbringen: „Sie haben Bulldozer, aber wir haben die Hoffnung, den Glauben und den Willen weiterzumachen. Wir werden jeden Baum, der zerstört wurde, erneut pflanzen.“

www.tentofnations.org
https://www.facebook.com/tentofnations

(ku)

1

6

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s