Syrische Flüchtlinge am 20.06.2014 eingeladen in die Universität Göttingen

Gruppenbild mit den Flüchtlingen, den Studenten, Martin Tamcke, Kamal Sido und Hakub Schahinjan

Gruppenbild mit den Flüchtlingen, den Studenten, Martin Tamcke, Kamal Sido und Hakub Schahinjan

Text: Laura Kraut

Am Freitag, den 20. Juni, war der Weltflüchtlingstag der UN, an dem der Menschen gedacht wird, die ihre Heimat aufgrund von Krieg oder Verfolgung verlassen mussten.

Laut UN befinden sich derzeit über 50 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Viele von ihnen kommen aus Syrien. Seit drei Jahren tobt dort ein blutiger Bürgerkrieg, in dem schon lange nicht mehr Regime gegen Revolutionäre, sondern oft Extremisten gegeneinander und gegen die Zivilbevölkerung kämpfen.

Passend zum Motto des diesjährigen Flüchtlingstags „Jeder Flüchtling hat eine Geschichte“ lud Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Tamcke, Theologieprofessor der Universität Göttingen, zusammen mit der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) sechs syrische Flüchtlinge in die Universität ein, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Dabei waren der Armenische Diakon Hakub Schahinjan, Dr. Kamal Sido, Nahostreferent der GfbV und interessierte Studenten der Universität.

Alle sechs Flüchtlinge kommen aus dem Norden Syriens, der zurzeit von den Islamisten der ISIS-Gruppe bedroht wird. Zwei junge Männer wurden zu Beginn der „Revolution“ für den Militärdienst eingezogen. Beide weigerten sich, auf ihre Landsleute, ihre eigenen Freunde oder ihre Familie zu schießen und waren deshalb enormer Verfolgung ausgesetzt. Einige der Flüchtlinge sind Kurden, und wurden deshalb von Islamisten verfolgt. Eine yezidische Frau berichtete, sie hätte sich nicht mehr auf die Straße getraut, aus Angst vor Entführungen, die dort auf der Tagesordnung stehen. Extrem gefährdet sind Angehörige von Minderheiten wie Christen, Kurden oder Yeziden (die durch ihren Status als nicht-Araber und nicht-Muslime einer doppelten Verfolgung ausgesetzt sind). Vor der „Revolution“ konnte sie sich überall auch ohne Kopftuch frei bewegen, jetzt muss sie selbst dann eines tragen, wenn sie nur zum Arzt möchte. Ihre Tochter konnte ihr Abitur nicht abschließen, da sie die Schule nach Beginn des „Arabischen Frühlings“ nicht mehr besuchen konnte. Freie Meinungsäußerung und Achtung der Menschenrechte hatte es weder vor, noch während der „Revolution“ gegeben.

Die Betroffenen kommen aus einer Region, die von islamistischen Milizen kontrolliert wird.
Sie alle träumen von einem freien Leben in Selbstbestimmung und ohne religiöse oder ethnische Verfolgung. Europa sei ihr Ziel gewesen, da sie sich nach Freiheit und Demokratie sehnten.

Die syrischen Flüchtlinge in der Universität Göttingen

Die syrischen Flüchtlinge in der Universität Göttingen

Der Weg nach Deutschland ist meist beschwerlich und sehr teuer. Wer nicht unter das Kontingent der UN fällt, aber trotzdem Verfolgung ausgesetzt ist, muss die Flucht selbst organisieren. Dafür werden häufig teure Schleuser benötigt, die nicht immer im Sinne der Flüchtlinge handeln. Oft müssen Familienangehörige zurückgelassen werden, wie im Falle einer Frau, die zwar ihren Sohn mitnehmen konnte, deren Mann sich aber immer noch in Jordanien befindet, da das Geld nicht für drei Flugtickets reichte.

Der Empfang im Übergangslager Friedland sei jedoch sehr herzlich gewesen; sie hätten alles Materielle, was sie bräuchten. Sie wünschen sich jedoch, die deutsche Sprache schneller lernen zu können. Als Kontingentflüchtling der UN bekommt man lediglich einen fünftägigen Sprachkurs, wenn man ohne die UN einreist, zunächst gar keinen.

Jeder der sechs Flüchtlinge hat seinen eigenen Traum von der Zukunft: Einer möchte seinen Beruf als Tischler wieder aufnehmen, eine andere möchte Friseurin werden, die junge Frau endlich ihr Abitur abschließen und der 5jährige Sohn erzählt, er würde gerne Arzt werden, wenn er groß ist.

Sie alle eint ihr Mut, den langen Weg nach Deutschland auf sich genommen zu haben, ihre Bewunderung für Demokratie und Freiheit und ihre Kraft, einem neuen, noch ungewissen Leben, positiv entgegen zu sehen.

Aufgrund der katastrophalen Situation in Syrien fordert die GfbV:

  • Die Aufnahme von mindestens 50.000 Flüchtlingen aus Syrien
  • Die Familienzusammenführung von schon in Deutschland lebenden Syrern mit ihren zurückgebliebenen Verwandten
  • Ausreichende Humanitäre Hilfe für den Norden des Landes

Werden Sie aktiv!

Spendenaufruf der Stadt Göttingen und der GfbV für die abgeschnittenen Gebiete Nordsyriens.

Nehmen Sie an unserem E-Mail Aufruf an den Präsidenten des türkischen Parlaments, Herrn Cemil Çiçek teil.

Mehr zum Hintergrund des Aufrufs und der Situation in Nordsyrien.

Flüchtlinge und Studenten im Dialog

Flüchtlinge und Studenten im Dialog

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