Religiöse Literatur auf der Krim verboten, stellvertretender Leiter des Muftiats wegen „Extremismus“ verurteilt

Russische Spezialeinheiten bewachen Anfang März 2014 die Einfahrt einer ehemals ukrainischen Militärbasis auf der Krim.

von Sarah Reinke

Zum ersten Mal seit der Annexion der Krim durch Russland wurde gestern ein Urteil wegen „Extremismus“ gesprochen: Esadullach Bairow wurde vom Gericht in Dzhanko im Norden der Halbinsel zu einer Geldstrafe verurteilt, nachdem bei einer Razzia in der muslimischen Schule (Medresse), für die er die Verantwortung trägt, religiöse Bücher gefunden wurden, die in Russland verboten sind. Etliche weitere Medressen, Privathäuser und das Muftiat selbst wurden durchsucht. Die meisten Muslime auf der Krim gehören der indigenen Bevölkerung der Krimtataren an. Die Strafe für Bairow kam kurz nachdem 20 türkische Imame ausgewiesen worden waren. Das Muftiat müsse sich zuerst nach russischer Gesetzgebung neu registrieren lassen, wurde den verantwortlichen Muslimen gesagt. Diese Neuregistrierung ist seit dem 1. Juli 2014 möglich und verunsichert die Gemeinden, weil sie fürchten, dass ihre Anträge negativ beschieden werden könnten.

Russische Spezialeinheiten bewachen Anfang März 2014 die Einfahrt einer ehemals ukrainischen Militärbasis auf der Krim.

Russische Spezialeinheiten bewachen Anfang März 2014 die Einfahrt einer ehemals ukrainischen Militärbasis auf der Krim.

Viele muslimische religiöse Bücher, wie die Schriften von Said Nursi oder die des türkischen Sufi-Lehrers Osman Nuri Topbas, wie auch Schriften der Zeugen Jehovas sind in Russland verboten und jeder, der sie besitzt oder verbreitet, kann verurteilt werden. Entsprechend begannen bald nach der Annexion die Durchsuchungen von Moscheen und anderen Gebäuden. Das Muftiat veröffentlichte die Liste der in Russland verbotenen Bücher und empfahl allen, die Bücher dieser Liste besaßen, sie zu vernichten. Gleichzeitig ist den religiösen Führern unklar, weshalb bestimmten Schriften verboten sind. Manche sind einfache Gebetsbücher, die viele Muslime auf der Krim nutzen. Seit Mitte August finden vermehrt Razzien in muslimischen Schulen statt: Am 13. August wurde die Frauenschule und das Erziehungszentrum in Kamenka sowie die Seit Settar Medresse in Simferopol durchsucht. Am 19. August wurde das Haus der Familie Muslyadinow in der Region Bachtschisaraj durchsucht. Am 21. August durchsuchten Mitarbeiter des Geheimdienstes FSB, der Polizei und Staatsanwaltschaft die Medresse in Saki.

(Bericht nach Informationen der Organisation Forum 18)

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