Wie ich Wände im Museum für Völkerkunde Hamburg strich und dadurch dem Dalai Lama begegnete

Unsere Praktikantin Stephanie Bussler bereitete aktiv die Ausstellung „Tibet – Nomaden in Not“ mit vor, die wir gemeinsam mit der Tibet Initiative Deutschland e.V. und dem Hamburger Museum für Völkerkunde organisiert haben. Sie erzählt in diesem Blogeintrag über ihre Erfahrungen bei der Vorbereitung der Ausstellung und wie es war, den Dalai Lama, der die Ausstellung besuchte, hautnah zu erleben.

Der Aufbau der Ausstellung „Tibet – Nomaden in Not“

von Stephanie Bussler

Vor zwei Jahren kam die Idee auf, eine Ausstellung über Tibets Nomaden der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei sollte die Ausstellung vorrangig die Lebenssituation der Tibeter aufzuzeigen. Ulrich Delius, der Asienreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker, und Helmut Steckel, der Leiter der Regionalgruppe von der Tibet-Initiative in Hamburg, haben nun zusammen mit dem Völkerkundemuseum Hamburg dieses Vorhaben realisiert. Bei einem kleinen Teil dieser Vorbereitung habe ich mitgewirkt und will euch hier ein bisschen davon erzählen.

Zusammen mit Hanno, einem Mitarbeiter des Asienreferats, und anderen PraktikantenInnen der GfbV ging es für mich am 4. August dafür erstmalig nach Hamburg. Dies war gleichzeitig auch mein erster Tag im Praktikum und ich wusste gar nicht so recht wie mir geschieht. Es war wirklich ein toller Weg, die neuen KollegenInnen besser kennen zu lernen, wozu im normalen Büroalltag natürlich deutlich weniger Zeit ist. Während meiner Bewerbungsphase hatte ich bereits öfter mit Hanno telefoniert und war dabei immer super förmlich, weil ich mich dafür nach Regeln eines Bewerbungshandbuchs gerichtet hatte. Aber gleich zum ersten Arbeitstag fiel mir auf, wie überflüssig das Ganze eigentlich gewesen war. Sowohl Hanno als auch die anderen PraktikantInnen waren mir sofort sympathisch und so freute ich mich umso mehr über gemeinsame praktische Arbeit im Museum. Das Museum brauchte nämlich tatkräftige Unterstützung für die Renovierung des Ausstellungsraumes und den darauf folgenden Aufbau der Ausstellung. Als wir den Raum betreten hatten, war sofort klar, wie viel Arbeit vor uns lag. Der Raum war zwar leer, doch Schriftzüge und grün gestrichene Wände erinnerten noch an die letzte Ausstellung. Also sind wir in unsere Arbeitsklamotten geschlüpft und haben mit der ersten Arbeit, dem Streichen der Wände, begonnen. Auch die Vitrinen mussten gestrichen werden, da sie laut der Kuratorin Gesa ein paar Tage durchtrocknen mussten, bevor die Exponate hineingestellt werden durften. Wenn es mal an Material fehlte für unsere Renovierungsarbeiten, gab es von der Kuratorin, den Mitarbeiterinnen oder dem Hausmeister Begleitschutz für den Weg in den Keller. Denn das Museum war viel verwinkelter und komplexer, als es auf den ersten Blick schien. Aber nicht nur während der Arbeitszeiten verbrachten wir viel Zeit mit den Mitarbeiterinnen und der Praktikantin des Museums. Wir nutzten auch die Mittagspausen, um uns besser kennenzulernen. Der türkische Imbiss gegenüber bot uns dafür den Platz. Die Mischung aus gutem Essen und der Besitzerin, die uns mit ihrer freundlichen Art immer willkommen hieß und gerne mal ihren Mann durch die Gegend scheuchte, brachte uns immer zum Lachen.

Die Vorbereitungen zur Ausstellung

Die Vorbereitungen zur Ausstellung

Am ersten Tag der Ausstellungsvorbereitung schafften wir immerhin allen Wänden einen ersten Anstrich zu verpassen. Und auch unsere Klamotten hatten dabei einiges an Farbe abbekommen. Besprenkelt mit Farbspritzern konnten wir uns dann am nächsten Tag wieder in die Arbeit stürzen. Zwischendurch schauten wir uns auch die wirklich interessanten Ausstellungen an, die das Museum noch zu bieten hat. Am Ende der Besichtigungen versackten eine weitere Praktikantin und ich vor der großen Landkarte Balis und ich erzählte ihr viel von meinen fünf Monaten die ich dort gelebt hatte.

Dann konnten schließlich die ersten Exponate in den Vitrinen angerichtet werden. Ein Tibeter, der in Hamburg wohnt, stellte seine traditionellen Gewänder und Gegenstände für die Ausstellung bereit. Die ersten zwei Vitrinen richtete er damit ein und wir bekamen eine erste Idee von der tibetischen Kultur. Leider wurden manche Bretter dafür neu verschraubt und so mussten manche Stellen frustrierender Weise erneut gestrichen werden. Öfter beschlich mich dadurch das Gefühl, dass diese Arbeit kein Ende nehmen würde. Als Abwechslung zum Vitrinenstreichen begannen Laura, ebenfalls Praktikantin bei der GfbV, und ich mit dem Streichen des von uns auf den Namen getauften “schwarzen Raums“.. Erstaunlicherweise freuten wir uns irgendwie darüber, da schwarz ja nicht gerade eine typische Wandfarbe ist. Diese außergewöhnliche Farbe wurde gewählt, weil der Raum für einen Wandteppich, der vor normaler Lichteinstrahlung geschützt werden musste, präpariert werden sollte. Neben der Tatsache, dass wir kaum sahen, ob die Wand gut gestrichen war oder nicht, war es in diesem kleinen Räumchen auch noch tierisch heiß. Ab und zu stattete uns der/die eine oder andere einen Besuch ab, war aber nach Feststellung über die hohen Temperaturen in der Kammer auch ganz schnell wieder verschwunden. Zum Glück waren wir schneller mit dem streichen fertig als wir erwartet hatten: Die Farbe ging uns recht früh aus und so hatten wir schon zeitiger Feierabend. Nach einer erholsamen Nacht und einem dritten Tag Streichen ging es anschließend erst einmal wieder zurück nach Göttingen und die Zugfahrt nutzen wir alle für ein verdientes Nickerchen.

Bereits eine Woche später wurde weitere Hilfe von uns gebraucht. Am Anfang der Woche fuhren ein paar von uns zum Museum nach Hamburg. Ich selber konnte mich erst Mitte der Woche wieder für zwei Tage einbringen. Zusammen mit einem weiteren Praktikanten ging es ab nach Hamburg. Direkt beim Eintreffen im Museum sah ich, dass sich seit dem letzten Mal schon einiges getan hatte. Der Raum war voll von Bildern und Rahmen. Und viele weitere sollten noch hinzukommen. Bei der Arbeit mit einem der Exponate bekam die Museumsmitarbeiterin Katharina etwas tibetischen Dreck in eine kleine Wunde am Daumen. Schon wenig später wurde ihr Daumen dick und sie scherzte darüber, dass dies der Fluch des Pharaos wäre. Tatsächlich wurde es so schlimm, dass sie bis zum Ende der Vorbereitungen kaum noch helfen konnte.

Umso mehr waren also wir gefragt. Jede Koje hatte bereits ein Motto, unter denen passende Bilder noch ausgewählt werden mussten. Dabei zeigten sich die Tücken bei der Zusammenarbeit mit Vielen. Je mehr Leute wir wurden bei der Diskussion um die aufzuhängenden Bilder, desto weniger kamen wir voran. Sehr interessant fand ich dabei die Diskussion mit Louise, die ein Praktikum im Museum machte. Ihre Betrachtung der Bilder als Kunstwissenschaftlerin und meine als Ethnologin waren kaum miteinander zu vereinen. Sie achtete auf die Farben und das harmonische Zusammenspiel der Bilder, während ich den Fokus auf den Inhalt legte und überlegte, was dem Museumsbesucher mit den Bildern vermittelt werden sollte. Sie hat Aspekte genannt, die ich vorher überhaupt nicht bedacht hatte. Trotz der manchmal etwas längeren Diskussionen hat es großen Spaß gemacht, zusammen passende Bilder zu finden. Als die Auswahl beschlossen war, ging es ans aufhängen. Nur, dass diese Form des Aufhängens kaum vergleichbar ist, mit der, die ich zu Hause zum Aufhängen eines einfachen Bildes benutzen würde. Katharina erzählte mir was von Mindestabständen und Formationen, die ein ausgewogenes Gesamtbild ergeben würden. Und so verbrachte ich den Rest des Tages mit Rechnen, Messen und Bohren von Löchern, die nicht immer an der richtigen Stelle waren. Diese Arbeit machte mir besonders viel Spaß, da mit jedem weiteren Bild ein bisschen deutlicher wurde, wie die Ausstellung einmal aussehen würde. So richtig wollte ich am Ende des Tages auch gar nicht aufhören, weil ich einfach nicht den Fehler entdeckte, der mir unterlaufen war. Katharina musste da einfach ein Machtwort sprechen und ich habe mir eingestanden, dass ich mich nicht mehr konzentrieren konnte. Am nächsten Tag habe ich den Fehler dann übrigens ganz schnell gefunden und sofort beseitigt. An dem Tag begannen wir auch etwas früher mit der Arbeit, da bereits mittags die Pressekonferenz wegen der Ausstellung stattfinden sollte. Dafür sollte so viel wie möglich bereits seinen Platz gefunden haben. Die Museumsmitarbeiterinnen Gesa und Katharina waren mit dem, was wir bereits geschafft hatten, sehr zufrieden. Während der Pressekonferenz hatten wir quasi Arbeitspause und durften sogar daran teilnehmen. Jiear, Praktikant bei der GfbV, hatte schnell das Essen für die Journalisten ausfindig gemacht und redete eigentlich von nichts anderem mehr. Davon bekam er dann übrigens auch noch ein Happen ab. Danach arbeiteten wir noch etwas weiter, bis unser Zug nach Göttingen wieder abfuhr. Alle Bilder haben wir leider nicht geschafft anzubringen, doch die meiste Arbeit war getan. Ebenfalls fehlten noch Fahnen, Schrifttafeln und kleinere Akzente, die in den letzten Tagen noch von den Museummitarbeitern und Hanno erledigt wurden.

Kurz nach der offiziellen Ausstellungseröffnung gab es für uns noch einen krönenden Abschluss, und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Das religiöse Oberhaupt der TibeterInnen, der Dalai Lama höchstpersönlich, besuchte die Ausstellung. Mit allen Helfern ging es noch einmal nach Hamburg, um hautnah dabei zu sein. Am Anfang konnte Keiner konkrete Ansagen machen, wann es losgeht und wie der genaue Ablauf sein würde. Eigentlich wurde uns ja gesagt, dass wir keine Fotos machen sollten. Das war dann aber doch in der Aufregung ganz schnell wieder vergessen. Nur von einem professionellen Fotografen habe ich deswegen einen ziemlich bösen Blick geerntet. Ich glaube, er war sicher neidisch auf meinem tollen Posten im Fensterrahmen, der vielleicht auch etwas waghalsig war. Immerhin gab mit der Platz die Chance, ein, zwei tolle Bilder zu knipsen. Und auf einmal war der Dalai Lama da. Alles ging wahnsinnig schnell und man hat ihn kaum gesehen, da er zwischen seinen ganzen größeren Bodyguards nur durch sein rotes Gewand auffiel. Kaum aus dem Auto ausgestiegen, war er auch schon in der Ausstellung verschwunden.

Der Dalai Lama ganz nah.

Der Dalai Lama ganz nah.

Während der Dalai Lama so durch die Ausstellung ging, standen wir wartend im Innenhof und fragten uns, ob wir ihn nochmal zu Gesicht bekommen würden. Eigentlich sollte der Dalai Lama den gleichen Weg raus kommen, wie er rein gegangen war. Was bedeutet hätte, dass er direkt in das vor dem Eingang geparkte Auto eingestiegen wäre. Doch zu unserem Glück und wahrscheinlich zum kurzzeitigen Schock der Begleiter des Dalai Lamas gab es irgendwelche Komplikationen mit dem Fahrstuhl. Der Lama nahm es mit Humor und ging einfach über die Treppen zurück in den Innenhof. Das war meine Chance, da die Tür zur Treppe genau bei meinem Fensterposten lag. Den Dalai Lama von so kurzer Entfernung zu sehen fand ich dann wirklich ganz schön aufregend. Ein, zwei Bücher habe ich bereits von ihm gelesen und in der Gegenwart von so einem weisen Menschen wurde ich doch recht nervös, wie so manch anderer wahrscheinlich bei einem Rockstar. Am Fuße der Treppe nahm der Dalai Lama sich dann noch etwas Zeit für alle, die sich dort versammelt hatten. Kurz spielte ich mit dem Gedanken schnell runter zu rennen, aber so viel Zeit war dann doch nicht. Trotz allem: Ein wirklich tolles Erlebnis, den Dalai Lama mal von so nah zusehen!

Und damit war unser Kapitel Ausstellungsvorbereitung beendet. Es hat wirklich Spaß gemacht und vielleicht möchte ich später auch beruflich in die Museumsarbeit gehen. Die Mitarbeit an der Ausstellung war ein toller Einblick in die Museumsarbeit. Die Zeit, die für den Aufbau einer Ausstellung benötigt wird, hatte ich im Voraus total unterschätzt. Eine Idee von dem großen Ganzen zu bekommen war eindrucksvoll und auch bei der Pressekonferenz dabei zu sein war sehr spannend. Durch die Mitarbeit an der Ausstellungsvorbereitung konnte ich in die Thematik gut eintauchen und während der Arbeit habe ich viel Neues über Tibet und die Kultur der Nomaden gelernt. Die Menschen, denen ich dort begegnet bin, waren alle sehr nett und für mich auf verschiedenste Art inspirierend. Ab sofort werde ich auf jeden Fall mit einem anderen Blick in Ausstellungen gehen und hier und da vielleicht auch mal gucken, ob auch ja der Mindestabstand zwischen den Bildern adäquat ist.

[Zur Autorin]

Foto_Stephi Bussler

STEPHANIE BUSSLER, Studentin der Ethnologie und Geschlechterforschung an der Universität Göttingen, ist seit Anfang August Praktikantin bei der GfbV im Aktionsreferat des Bundesbüros in Göttingen. Während ihres Praktikums hatte sie die Möglichkeit, die Ausstellung „Tibet – Nomaden in Not“ im Hamburger Museum für Völkerkunde mit vorzubereiten. Und wenn sie nicht gerade Wände im Museum streicht oder Fotos vom Dalai Lama knippst, spielt sie gerne Lacrosse und reist durch die Welt.

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