Human Rights Watch bestätigt den Einsatz von Streumunition durch IS

Foto: Freedom House/Flickr

Einem Bericht von Human Rights Watch zufolge fanden offizielle Vertreter der Kurdischen Volksverteidigungseinheit YPG Beweise dafür, dass der Islamische Staat (IS) in den letzten Wochen Streubomben in mindestens einer Gegend in Syrien verwendet hat.

von Laura Kraut

Einem Bericht von Human Rights Watch zufolge fanden offizielle Vertreter der Kurdischen Volksverteidigungseinheit YPG Beweise dafür, dass der Islamische Staat (IS) in den letzten Wochen Streubomben in mindestens einer Gegend in Syrien verwendet hat. Diese wurden nahe der Stadt Kobani, in der Nähe der syrischen Grenze, auf umliegende Dörfer abgefeuert. Vier Kämpfer der YPG und ein Kind wurden durch die Verwendung der Streubomben durch den IS getötet, ein weiteres Kind verletzt.

Streumunition ist international verpönt und zahlreiche Nationen der Welt unterstützen die Cluster Munition Coalition (CMC), die deren Einsatz verbietet. Streubomben, die von Flugzeugen, aber auch von Artilleriegeschossen oder als Sprengköpfe für Marschflugkörper abgeschossen werden können, explodieren bereits in der Luft und verteilen hunderte kleinere Bomben auf dem Boden. Damit sind sie besonders wirkungsvoll gegen Infanterie und Infrastruktur, aber ebenso gefährlich und tödlich für Zivilisten. Weiterhin gefährlich sind sie, wenn sie nicht beim ersten Kontakt explodieren – was sehr häufig passiert –, denn dann werden sie praktisch zu Landminen, die zum Tod von spielenden Kindern und anderen unschuldigen Zivilisten führen.

Woher der Islamische Staat die Streumunition hat, ist noch unklar. Denkbar ist, dass er sie von der syrischen Regierung erbeuten konnte, als in diesem Jahr einige syrische Armee-Stützpunkte überrannt und geplündert wurden. Die syrische Armee verwendet seit geraumer Zeit Streubomben gegen die Aufständischen und damit auch in den von IS kontrollierten Gebieten. Erst im August starben bei einem Angriff auf die Stadt Manbij, bei dem Streumunition eingesetzt wurde, sechs Zivilisten.

Nach Auswertungen des Cluster Munition Monitor sind in Syrien in den Jahren 2012 und 2013 mindestens 1.584 Personen durch Streumunition gestorben. 97 Prozent davon waren Zivilisten. Es wird davon ausgegangen, dass sich die Zahl der Getöteten im Jahr 2014 deutlich erhöht hat.

Nach dem Fund der Streumunition in Kobani warnte die dortige Behörde des kurdischen Autonomiegebietes die Bevölkerung  vor unexplodierten Streubomben und schulte sie darin, die Bomben zu erkennen. Dennoch schwebt die Bevölkerung durch die ständigen Angriffe des IS und durch Blindgänger weiterhin in großer Gefahr. Kobani steht seit mindestens einem Jahr ununterbrochen unter dem Embargo der Türkei und des IS, weshalb Lebensmittel und Medikamente knapp sind. Die Menschen sind den Angriffen des IS, wenn dieser mit Artilleriegeschützen angreift, fast schutzlos ausgeliefert. Die YPG verteidigen die Gebiete und die darin lebenden Menschen so gut wie möglich, doch Streumunition ist vor allem gegen Menschen wirkungsvoll und deshalb schwer von der Bevölkerung abzuwehren.

Sollte der IS die Munition jetzt vermehrt – auch im Irak – gegen Kämpfer der Kurden anwenden, wäre dies das Todesurteil von zahlreichen weiteren Menschen und unbeteiligten Zivilisten und eine Katastrophe für die Menschlichkeit.

Den Bericht von HRW finden Sie hier: http://www.hrw.org/news/2014/09/01/syria-evidence-islamic-state-cluster-munition-use

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4 Gedanken zu “Human Rights Watch bestätigt den Einsatz von Streumunition durch IS

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