Gefangen im eigenen Land

Foto: PFikriye Kaya

Indigene Aktivisten aus Russland, die zur gerade stattfindenden Weltkonferenz der indigenen Völker in New York fliegen wollten, wurden an der Ausreise gehindert. Das ist pure Schikane!

von Sarah Reinke

Rodion Sulyandziga, einer der engagiertesten Aktivisten für die Rechte der in Russland ohnehin vollständig an den Rand gedrängten indigenen Gruppen und Leiter des Hilfszentrums für indigene Völker, wurde am 18. September 2014 am Moskauer Flughafen Schweremetjewo aufgehalten. Sein Pass wurde ihm abgenommen unter dem Vorwand, es fehle eine Seite. Leider ist das keine Neuheit. Im Gegenteil: Das sind die typischen Schikanen der russischen Behörden. Sulyandziga berichtet auf seiner Facebook-Seite, dass es mehrere solcher Fälle gebe. Auch Anna Naidanchyna sowie Valentina Sovkiona, Sprecherin des russischen Samenparlamentes,  wurden an der Ausreise gehindert. Einige Tage zuvor wurde Nadir Bekir, ein krimtatarischer Wissenschaftler und einer der aktivsten Vertreter der Volksgruppe in den Vereinten Nationen, von vier Unbekannten zusammengeschlagen. Sein Pass und sein Mobiltelefon wurden entwendet, so dass auch er nicht nach New York ausreisen konnte.

Sulyandziga selbst deutet die neuerlichen Schikanen so, dass Russland keine Einmischung in seine Energiepolitik in der Arktis will. Sulyandizga sollte auf der Konferenz eine Diskussion zur Ausbeutung der Arktis und zu deren Folgen für die indigene Bevölkerung leiten. Dazu passt, dass das russische Ministerium für Regionale Entwicklung, wo bislang alle indigenen Belange angesiedelt waren, nach einem Beschluss vom 8. September aufgelöst und dieses Thema dem Kultusministerium zugeordnet werden soll. Alles, was mit der Arktis zusammenhängt, soll im Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung angesiedelt sein. Indigene Kommentatoren fürchten, sie würden auf Folklore reduziert und hätten noch weniger Chancen als bislang die Ausbeutung der Arktis, ihres Lebensgebietes, zu beeinflussen.

Bis heute leben in der Russischen Föderation rund 200.000 Angehörige von 43 zahlenmäßig kleinen Völkern des Nordens, Sibiriens und des Fernen Ostens. Sie leiden unter der aggressiven Ausbeutung der Ressourcen wir Öl, Gas oder Gold in ihren Siedlungsgebieten.

[Zur Autorin]

SARAH REINKE ist Leiterin des GfbV-Büros in Berlin und gleichzeitig Referentin für die GUS-Staaten. Sie verfügt über profunde Kenntnisse der Lage bedrängter Minderheiten in dieser Region, hält ständigen Kontakt zu Betroffenen und gibt ihnen in der Öffentlichkeit eine Stimme.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s