GfbV und DDR – GfbV-DDR: Die Vereinigung vorweggenommen

Gründer der Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV) und heutiger Generalsekretär Tilman Zülch erinnert sich an DDR-Bürger, die sich für unsere Menschenrechtsarbeit interessierten und die Arbeit der GfbV in den neuen Bundesländern nach dem Mauerfall.

von Tilman Zülch

Natürlich war der GfbV die Arbeit in der DDR verboten, bis zum Mauerfall. Nichtsdestoweniger erhielten wir immer wieder Schreiben von dort, von Interessierten, von Menschenrechtlern. Darunter viele Pogrom-Abonennten. Unvergessen, als mir einer schrieb: „1976 habe ich abonniert. Zwei habe ich erhalten. Das Erste und jetzt kürzlich (1986) das Zweite. Aber schicken Sie weiter, denn ich bin sicher, es wird gründlich gelesen“. Die Mauer fiel. Mit unseren Freunden aus Borna, die wir fünf Jahre nicht sehen dürften, verabredeten wir eine erste GfbV-Runde am Müggelsee in Ostberlin. Es war noch im November 1989.

Wir hatten insgesamt 300 Adressen. Von Göttingen aus war ich mit Inse Geismar mit 300 Umschlägen ins nahe östliche Eichsfeld gefahren. Wir wollten auf einem Postamt die Briefmarken kaufen. Aber wir brauchten fünf Postämter, bis wir genügend Marken erwerben konnten. Wir sandten sie ab. Und 40 unserer Freunde waren gekommen. Einige von ihnen hatten wir auf westdeutschen Kirchentagen getroffen oder kennengelernt. Denn dafür gab es für einige Wenige Reiseerlaubnis. Darunter vier Angehörige der sorbischen Minderheit und ihr Fürsprecher Dr. med. Kaulfürst. An diesem Tag entstand die GfbV-DDR. Unvergessen sind mir Kuby und Steffi [Klaus-Dieter Kubat und Steffi Rühmann, Anm.d.R.] aus Ostberlin. Beide hatten in DDR-Zeiten eine beispielhafte Solidaritätsgruppe für die Indianer-Bewegung „Aim“ in den USA gegründet. Stephan Dömpke aus Westberlin hatte jahrelang Material hinüber geschmuggelt und Kontakt gehalten.

Die Vereinigung GfbV-DDR und BRD ging im August 1990 der deutschen Wiedervereinigung voran. Wir haben dann eine Reihe von Jahren die Widerstandsbewegung des sorbischen Dorfes Horno/Rogow unterstützt. Bei der Bundesregierung antichambriert, in Brandenburgs Hauptstadt Potsdam demonstriert. All das hat nichts genutzt. Horno wurde devastiert, fiel dann dem Braunkohletagebau zum Opfer. Geblieben sind Freundschaften und gute Erinnerungen.

[Zum Autor]

TilmanZülch_Foto Inse Geismar_GfbVTILMAN ZÜLCH ist Gründer und Generalsekretär der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Unter seiner Leitung hat sich aus der Hamburger Aktion „Biafra-Hilfe“ 1970 die internationale Menschenrechtsorganisation GfbV mit Hauptsitz in Göttingen entwickelt.

Advertisements

Ein Gedanke zu “GfbV und DDR – GfbV-DDR: Die Vereinigung vorweggenommen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s