Nigeria: Versprechungen der Regierung zur Säuberung des Nigerdeltas wieder nicht eingehalten

Foto: Brad Watson (zugeschnitten)

Nigeria ist seit Boko Haram nicht mehr aus den Schlagzeilen wegzudenken. Doch auch die Ölpest im Nigerdelta fordert ihre Opfer. In den letzten 50 Jahren sollen mehr als zwei Millionen Tonnen Rohöl das einstige Ökosystem verseucht haben. Die Untätigkeit der nigerianischen Regierung und vom Ölkonzern Shell führt zur Radikalisierung der Jugend. Und zerstört jeden Tag Umwelt und Menschenleben.

von Rebekka Ramdohr

„Die einst wunderschöne Landschaft von Ogoniland ist schon lange keine Quelle von frischer Luft und grüner Vegetation mehr. Alles, was man rundherum sehen und fühlen kann, ist tot.“ So dramatisch beschreibt ein Mitglied der Bewegung für das Überleben der Ogonibevölkerung (MOSOP) die Situation im Nigerdelta. Doch nicht nur in Ogoniland, einem Teil des Nigerdeltas, sondern in der gesamten 70.000 Quadratkilometer großen Region im Süden Nigerias sind die Auswirkungen der nun über 50 Jahre andauernden Ölförderung spürbar. Das einst größte Mangrovenökosystem[1] Afrikas ist Schauplatz der weltweit schlimmsten Ölkatastrophe geworden. Die dort lebenden Menschen haben ihre Lebensgrundlage fast vollkommen verloren. Die dort lebenden Bauern, Fischer, Jäger und Sammler finden kaum noch eine Möglichkeit zum Überleben. Viele frustrierte Jugendliche schließen sich militanten Banden wie MEND (Bewegung für die Emanzipation des Nigerdeltas) an oder versuchen durch illegales Ölanzapfen zumindest ein wenig von dem Ölreichtum Nigerias zu profitieren.

©  Benoît Rivard/Flickr

Ein Fischer wirft sein Netz auf dem Niger in Mali aus. Seine Kollegen im Nigerdelta hingegen können durch die Ölverseuchung nicht mehr Fischen. Ihr Überleben ist gefährdet. Foto: Benoît Rivard/Flickr

Die wirklichen Gewinner der riesigen Ölvorkommen sind jedoch ausländische Ölmultis wie Shell und die nigerianische Regierung. Aus einem Bericht der UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen), der im Jahr 2011 veröffentlicht wurde, geht klar hervor, dass die Verantwortung für die miserable Lage im Nigerdelta bei den Ölunternehmen und bei der nigerianischen Regierung liegt. Und deswegen sollten sie sich auch für die Verbesserung der Lage verstärkt einsetzen. 27 Maßnahmen zur Regenerierung des Nigerdeltas führt der Bericht auf. Doch nur für drei dieser Maßnahmen wurde in den letzten dreieinhalb Jahren eine Umsetzung in Betracht gezogen.

Um die Auflagen des Berichts endlich umzusetzen, gab es im November 2014 ein erneutes Treffen zwischen der Regierung, der UNEP sowie dem Präsidenten von MOSOP (Bewegung für das Überleben des Ogoni Volkes), Mr Legborsi Saro Pyagbara. Die Regierung Nigerias versprach bei diesem Treffen mit der Umsetzung des Berichts Anfang Januar 2015 endlich zu beginnen.

Doch es scheint, dass auch bei diesem Treffen die Regierung wieder nur leere Versprechen gegeben hat. Ende Januar war, laut Mr. Pyagbara, immer noch keine Veränderung der Situation im Nigerdelta zu sehen. Von der Regierung hat er seit dem Treffen im November nichts mehr gehört.

Laut dem UNEP Bericht aus dem Jahr 2011 würde es 25 bis 30 Jahre dauern, bis die Natur vollständig geheilt ist. Und jeder Tag, der heute verloren geht, zerstört die Umwelt ein bisschen mehr und führt die Menschen ins Elend. Worauf warten die Verantwortlichen also noch?

Als wäre das alles noch nicht genug, spannt sich die sowieso schon brenzlige politische Lage im Delta aufgrund der anstehenden Präsidentschaftswahlen weiter an. So wirft die Oppositionspartei ACP (All Progressive Congress) der regierenden Partei PDP (People`s Democratic Party) des Präsidenten Jonathan Goodluck vor, dass die Ölrebellen Straflosigkeit genießen würden. Die Rebellenbewegung MEND hat vergangene Woche wiederum damit gedroht, den bewaffneten Kampf erneut aufzunehmen, sollte die PDP die Wahlen verlieren.

Im Hinblick auf diese festgefahrenen Strukturen und der Bedeutung, die den anstehenden Wahlen zukommt, ist es fraglich, ob sich die nigerianische Regierung in naher Zukunft überhaupt mit den Problemen im Nigerdelta beschäftigen wird. Für die Menschen in den betroffenen Gebieten, sowie für die verseuchte Tier- und Pflanzenwelt, wird diese Verzögerung weitere Leben kosten.

[1] Mangroven sind bis zu 30 Meter hohe Bäume. Sie filtern das salzige Meerwasser, bremsen die Strömung der Gezeiten und fördern die Anschwemmung von mehr Land. Sie zählen zu den produktivsten Ökosystemen der Welt, sind allerdings weltweit bedroht.

[Zur Autorin]

REBEKKA RAMDOHR studiert im fünften Semester Ethnologie an der Goethe-Universität Frankfurt. Im Sommer diesen Jahres wird sie ihren Bachelor of Arts abschließen. Afrika ist ein Schwerpunkt in Rebekkas Studium, aber auch privat kennt sie den Kontinent von Reisen nach Togo, Benin und Tansania.

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