Die Waisenkinder von Afrin

Teaser Foto: Flickr/Freedom House (Symbolbild)

Im Februar reiste unser Nahostreferent, Dr. Kamal Sido, zwei Wochen durch den kurdischen Kanton Afrin im Nordwesten von Syrien, um sich ein Bild der Lage vor Ort zu machen. Afrin, wie auch die zwei weiteren autonomen kurdischen Gebiete Kobani und Cazire, wird vom „Islamischen Staat“ und anderen Islamisten bedroht. In dieser Enklave traf Kamal Sido auf Hanifa Hasiko, Leiterin des „Nupel“-Vereins für Waisenkinder. Beeindruckt von ihrem Tatendrang führte Kamal Sido ein Interview mit ihr, um ihre Geschichte zu erzählen.

GfbV-Nahostreferent Kamal Sido mit der Leiterin des Wohnheims für Waisen, Hanifa Hasiko. Foto: privat

GfbV-Nahostreferent Kamal Sido mit der Leiterin des Wohnheims für Waisen, Hanifa Hasiko. Foto: privat

Sie haben den„Nupel“-Verein für Waisenkinder ins Leben gerufen. Wie kam es dazu?

Hasiko: Wir haben unseren Verein am 30.September 2013 gegründet. Wir, das ist eine Fraueninitiative von sieben Personen, die zufälligerweise Waisenkinder in Afrin getroffen haben, die niemand haben wollte. Das ist eine neue Erscheinung, denn in der Regel haben die Kurden große Familien und es gibt immer jemanden, der sich aus der Verwandtschaft um das verwaiste Kind kümmert. Doch jetzt gibt es Kinder, die niemanden mehr haben. Wahrscheinlich kam es zu dieser traurigen Entwicklung wegen des furchtbaren Bürgerkrieges in Syrien und weil viele fremde Flüchtlinge in unserer Region Zuflucht gefunden haben. Wir wussten, dass wir diesen Kindern helfen wollten. Also haben wir in unserer Initiative überlegt, was wir machen könnten. Am Anfang nahmen wir die Kindern mit zu uns nach Hause. Und es begann mit Jano. Janos  Vater befand sich im Gefängnis des syrischen Regimes in Hama, die Mutter war gestorben. Wir wissen nicht genau, ob Jano niemanden mehr hat oder es niemanden gab, der sich um ihn kümmern wollte. Jano lebte damals auf der Straße, bevor er zu uns kam.

Dann hat es sich rumgesprochen, dass eine Initiative für Waisenkinder in Afrin existiert. Irgendwann haben wir von einem zweiten Kind gehört, das auch niemanden hatte. Es lebte zu der Zeit bei einer Familie und musste dort für sie arbeiten. Nachdem wir von diesem Schicksal hörten, machten wir uns sofort auf die Suche nach dieser Familie und führten, nachdem wir sie gefunden hatten,  ein langes Gespräch mit ihnen. Wir erklärten den Familienmitgliedern,  dass wir das Kind mitnehmen würden. Nur kurze Zeit später entdeckten  wir drei Geschwister, deren Vater gestorben und die Mutter aus irgendeinem Grund verschwunden war. Nach einiger Zeit fanden wir ein geeignetes Haus für die Kinder. Dort leben sie jetzt wie in einem Wohnheim.

Gibt es Probleme, wenn Sie die Kinder aufnehmen? Werden die Kinder von den Familien freiwillig abgegeben?

Hasiko: In der Regel werden die Kinder freiwillig abgegeben. Die Familie ist oftmals sogar erleichtert, dass eine Initiative existiert, die sich um die Kinder kümmert.

Es kommt aber auch vor, dass Kinder nicht abgegeben werden und die Familie versichert, dass sie sich um die Kinder kümmern werden. Sie legen Nachweise vor, dass die jeweiligen Kinder mit der Familie verwandt sind. Da sind uns dann natürlich die Hände gebunden.

Ist der Widerstand mancher Familien das größte Problem Ihrer Arbeit?

Hasiko: Nein. Die größte Schwierigkeit, mit der wir zu kämpfen haben, ist die regelmäßige Miete des Wohnheimes. Das Haus, in dem wir momentan leben, müssen wir leider verlassen. Wir haben etwas Günstigeres gefunden, allerdings befinden sich die Räume in einem  Keller. Heute fand die Besichtigung des neuen Heimes statt. Die Wohnräume in diesem Keller benötigen eine grundlegende Renovierung. Langfristig ist die neue Unterkunft besser, weil es mehr Raum gibt und die Miete viel günstiger ist, aber wie gesagt, das neue Heim braucht eine grundlegende Renovierung.

Können die Kinder eigentlich auch adoptiert werden?

Hasiko: Ja, das ist möglich. Wir sind ein richtiger Verein mit einer Satzung, in der klar festgelegt ist, dass die Waisenkinder von Familie adoptiert werden können. Diesbezüglich setzen wir uns mit den hiesigen Gerichten und Behörden zusammen. Bisher kam es dazu, dass zwei Kinder adoptiert worden sind. Das Adoptionsverfahren wird nach bestehenden Regeln dokumentiert, es werden Anwälte hinzugezogen, usw.  Die Adoptivfamilien werden von uns auch besucht. Erst vor drei Tagen haben wir wieder eine Familie besucht.

Embed from Getty Images

Syrische Waisenkinder posieren für ein Foto während eines Schulfestes. Die Feier wurde von der Nichtregierungsorganisation „Douma Gesellschaft“ organisiert.

Wie gestalten Sie momentan das Alltagsleben in ihrer Einrichtung?

Hasiko: Wir haben drei Betreuerinnen, die sich um die Kinder kümmern und ihnen drei Mahlzeiten am Tag zubereiten. Ansonsten läuft unser Alltag wie in einer Familie: Die Hälfte der Kinder besucht gerade die Schule, weil sie im Schulalter sind, die anderen Kinder spielen in der Zeit im Haus oder draußen.

Das alles kostet natürlich. Deswegen sind wir dankbar, dass es noch wohlhabende Menschen in Afrin gibt, die wir hin und wieder um Unterstützung bitten können. Verschiedene NGOs, wie „Newroz“ und „Zaytona“ die in Afrin ansässig sind, helfen uns ebenfalls. Einmal haben wir auch eine Spendenkampagne gestartet, bei der wir von großen Händlern Lebensmittel, Kleider und so weiter bekommen haben.

Das reicht aber leider nicht. Wir brauchen mehr Hilfe, damit wir das Notwendige für die Kinder hier im Lande tun und die Kinder ein einigermaßen normales Leben führen können. Unserseits tun wir was wir können, wir sind jedoch für jede Hilfe aus Deutschland und Europa dankbar. Wir würden uns auch über Partnerschaften mit Kindereinrichtungen in Deutschland sehr freuen.

Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Spende an den Förderverein für bedrohte Völker, die Waisenkinder von Afrin zu helfen. 
Kontoinhaber: Förderverein für bedrohte Völker
Institut: Postbank
IBAN: DE 89 2001 0020 0007 4002 01
BIC: PBNKDEFF

Verwendungszweck: „Waisenkinder von Afrin“

Ihre Spende ist steuerlich absetzbar.

Kontakt:

Dr. Kamal Sido – Tel: +49 (0) 551 49906-18 – Fax: +49 (0) 551 58028

E-Mail: nahost@gfbv.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s