10 Dinge, die ein Protestcamp unvergesslich machen

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) organisiert viele Aktionen: Mahnwachen, Veranstaltungen, Vorträge, Gespräche, Demonstrationen oder auch Protestcamps. Geplant werden sie in unserem Aktionsreferat. Doch was braucht man für solche Aktionen? Was sollte beachtet werden? Wir stellen euch ein Beispiel vor.

Alle zwei Jahre heißt es für die GfbV: Auf zum Deutschen Evangelischen Kirchentag. Das hat bei uns Tradition. Doch neben unserem „normalen“ Messestand bieten wir in manchen Jahren noch ein „kleines“ Extra. So auch in diesem Jahr, als wir zusätzlich ein Protestcamp planten, um die Verfolgung von Christen im Nahen Osten zum Thema beim Kirchentag zu machen. Protestcamp? Das ist ein klarer Fall für das GfbV-Aktionsreferat! Aber was muss man denn eigentlich bei Planung und Durchführung beachten? Florian Schweikert, Praktikant im Aktionsreferat, hat seine persönliche Top 10 an Dingen aufgeschrieben, die ein Protestcamp unvergesslich machen.

1. Authentizität

Wir Aktivisten können ja viel erzählen, aber wirklich spannend und glaubwürdig wirkt unser Anliegen erst, wenn Betroffene beim Protestcamp dabei sind. Deshalb sollte man unbedingt vorher Betroffene oder Angehörige kontaktieren und mit ihnen gemeinsam die Anfahrt organisieren. Damit motiviert man sie, ihr Anliegen vorzubringen. Denn zusammen werden wir gehört und können gleich viel mehr erreichen.

2. Ohne Wurfzelt, ohne mich.

So ein Protestcamp sollte schnell aufgebaut sein, ansonsten macht einem der Sicherheitsdienst einen Strich durch die Rechnung und der ganze Aufwand war umsonst. Ein Wurfzelt ist deswegen die beste Erfindung seit Jahren: Man kann es innerhalb von drei Sekunden aufschlagen und hat dadurch Zeit für andere Dinge. Das entlastet enorm. Aber nicht vergessen, die Wurfzelte mit Sandsäcken zu beschweren! So schnell wie man Wurfzelte aufbauen kann, so schnell fliegen sie an einem windigen Tag auch wieder weg!

3. Meeting point

Ein Treffpunkt für Interessierte, die spontan mitmachen wollen oder einfach nur den direkten Dialog suchen, bietet sich an und gestaltet die Aktion lebhaft. Am besten stellt man einen Pavillon in die Mitte des Protestcamps, das spendet Schatten (bzw. Schutz vor Regen) und schafft einen klar ersichtlichen Treffpunkt. Wenn man noch ein paar Bierzeltgarnituren dazu stellt, lädt das gleich zum Hinsetzen und Austauschen ein. Wie ein Protestcamp-Wohnzimmer sozusagen.

Aktivisten im Pavillon_DEKT_Foto_Kasja Sargsjan

Ein schattiger Platz zum Ausruhen, Erholen und Essen ist enorm wichtig bei einem Protestcamp. Und ganz „nebenbei“ können Interessierte mit Aktivisten ins Gespräch kommen. Foto: Kasja Sargsjan

4. Verpflegung, Verpflegung, Verpflegung

„Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum will er was zu essen [und trinken]‘‘  Besser als Bertolt Brecht hätte ich es auch nicht sagen können. Also, auf jeden Fall genug Essen und Trinken dabei haben. Vor allem bei hohen Temperaturen sollten alle viel Wasser trinken und von Zeit zu Zeit Kleinigkeiten essen, damit der Kreislauf in Schwung bleibt. Bei angeregten Gesprächen vergessen jedoch einige das Trinken, weshalb man ab und an durch die Reihen gehen und Aktivisten und Interessierte daran erinnern sollte.

5. Schilder und Transparente basteln.

Ohne optisch sichtbare Forderungen kann man auch zu Hause bleiben. Wenn keiner weiß, warum man protestzeltet, ist es schwer Interessierte zu erreichen. Aber auch alle anderen sollten auf einen Blick verstehen, warum man da ist. Merke: Knapp und prägnant formulierte Sätze lesen sich schneller und bleiben im Gedächtnis.

6. Megafon muss mit!

Am besten kombiniert man ein Megafon mit unserem gutgelaunten Nahostreferenten Kamal Sido: Eine Symbiose aus Charme und Wissen. Ob es nun aber ein Megafon oder Musik ist, spielt keine Rolle. Hauptsache laut! Das lockt viele Passanten an und schafft eine lebhafte und nette Atmosphäre.

7. Flyeralarm.

Die Forderungen müssen auf einem Flyer inhaltlich erläutert werden und wichtige Hintergrundinformationen sollten ebenso abgedruckt sein. Bei der GfbV ist das Teamwork: Die Fachreferenten geben die Hintergrundinformationen, im Team werden die Forderungen besprochen und am Ende schreiben Aktions- und Pressereferenten den Text zusammen. Vor Ort gibt es dann noch eins zu beachten: Beim Verteilen der Flyer immer höflich und nicht zu aggressiv agieren.

Flyer verteilen_DEKT_Foto_MichaelaBoettcher

Plakate mit kurzen und knappen Sätzen liefern einen guten Einblick in die Forderungen. Aber genauso wichtig sind Flyer, die Hintergründe erklären und ein umfassendes Bild zeichnen. Beim Flyer verteilen natürlich immer nett bleiben. Es soll niemand verschreckt werden. Foto: GfbV/Michaela Böttcher

8. Passt mir auf die Notausgänge auf!

Der Ort für das Protestcamp sollte mit Bedacht gewählt sein. Argumente wie: „Das ist ein Notausgang, ihr müsst hier aus sicherheitstechnischen Gründen weg!“ machen einem das Leben als Protestierender schwer. Deshalb lieber einen Tag zuvor die Möglichkeiten auskundschaften und ohne Stress ein geeignetes Plätzchen aussuchen.

9. Wetterfrosch bestechen.

Sibirien oder Sahara: Am besten ist man auf beides vorbereitet, ansonsten droht Protestcamp-Koller! Das Wetter ist einer der wichtigsten Faktoren und muss unbedingt bei der Planung beachtet werden. Schirme, Regencapes, große Sonnenschirme: Alles rein ins Gepäck.

10. Durchhaltevermögen

„Wie lange wollt ihr das denn machen?“ Diese Frage wird häufig gestellt und sollte immer mit „Bis unsere Forderungen erfüllt sind!“ beantwortet werden. Wer nach einer Stunde das Handtuch wirft, der wird auch nicht ernst genommen. Durchhaltevermögen und Glaubwürdigkeit gehen Hand in Hand in der Menschenrechtsarbeit. Immer.

Wenn ihr diese Schritte beachtet und freundlich zu den Sicherheitskräften seid, kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen. Wir durften beim diesjährigen Kirchentag unser Protestcamp stehen lassen. Und das ist ja das Ziel. Also, frohes Protestzelten!

[Zum Autor]

Florian SchweikertFLORIAN SCHWEIKERT hat an der Universität Freiburg Politikwissenschaften und VWL studiert. Seine Bachelorarbeit untersuchte Seperatismusbewegungen in Schottland und Katalonien. Florian ist leidenschaftlicher Schwimmer und würde gerne den Rest seines Lebens spanischen Rotwein – am liebsten Rioja – trinken.

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