„Niemand kann unser Streben nach Freiheit unterdrücken“

Foto: ABBPhoto via iStock (bearbeitet)

Vor über einem Jahr wurde der Krimtatare Achtem Chijgoz verhaftet. Seitdem sitzt er im Untersuchungsgefängnis, ohne dass ihm bisher der Prozess gemacht wurde. Ein Gerichtstermin wird immer wieder verschoben. Beobachter sind sich einig, dass es sich um einen politisch motivierten Fall handelt. Jetzt meldet sich Chijgoz aus dem Gefängnis – mit einer klaren Ansage.

Seit über einem Jahr sitzt Achtem Chijgoz, Vizepräsident des krimtatarischen Medschlis, im Untersuchungsgefängnis in Simferopol. Ein Jahr, in dem Geheimdienst und Polizei massiven Druck auf den Familienvater ausübten. Er soll sich schuldig erklären. Besuch darf er auch seit Langem nicht mehr empfangen. Jetzt droht ihm eine lange Haftstrafe. Und das alles, weil Chijgoz zu einer Demonstration am 26. Februar 2014 aufgerufen hatte. Tausende – unter ihnen viele Krimtataren – sind seinem Aufruf gefolgt: Auf dem zentralen Platz in Simferopol, der Hauptstadt der Krim, haben sie protestiert. Sie wollten keine russische Besatzung der Krim. Sie traten dafür ein, dass die Krim Teil der Ukraine bleiben sollte.

Während dieser Demonstration am Vorabend der russischen Machtübernahme auf der Krim kam es zu Auseinandersetzungen, Verletzten und zwei Todesfällen, die bis heute nicht aufgeklärt sind. Nach der Annexion der Krim durch Russland wurden über 150 Zeugen zu dieser Demonstration befragt und zahlreiche Personen festgenommen, darunter Chijgoz. Er wird wegen der Organisation dieser Demonstration angeklagt. Alle Beobachter sind überzeugt: Dieser Prozess  hat einen politischen Hintergrund. Denn auch völkerrechtlich hat Russland kein Recht, Chijgoz in Haft zu halten. Es geht um eine Demonstration von damals ukrainischen Staatsbürgern auf ukrainischem Boden.

Am 24.Februar 2016 veröffentlichte die Ehefrau von Achtem Chijgoz, Elmira Ablialimova, einen Brief ihres Mannes aus dem Gefängnis, in dem er sich an die Krimtataren richtet. Wir haben ihn ins Deutsche übersetzt.

 „Ich habe geschworen, ich habe versprochen, für mein Volk zu sterben (…)“[1] Ich war immer stolz auf mein Volk! Das Volk, das die Deportation erlebte, das sich aber nicht aufgelöst oder angepasst hat. Seine Traditionen sind zentraler Teil des Lebens geworden. Es hat seine Sprache und die Liebe zur Heimat bewahrt.

Als wir auf die Krim zurückkehrten, konnten wir uns wieder verbinden mit der Energie unserer Erde, mit dem unendlichen Himmel über unserer Heimat, mit den hochmütigen Bergen, dem freien Wind, der Steppe. Dieser Geist erfüllt uns trotz unserer langen Abwesenheit von der Krim. Die Krim hat auf uns gewartet.

Niemand sollte denken, dass es einigen Marionetten gelingt, unseren Willen zu brechen, unser Streben nach Freiheit zu unterdrücken, uns zu einer „Folklore-Nation“ zu degradieren, und als „Puppen“ vorzuführen und dabei Wohlstand und „glückliches“ Leben zu imitieren. Niemand sollte denken, dass sie unser Gedächtnis töten können. Denn das wird niemals passieren.

Mein Volk wird sich nicht damit abfinden, dass uns falsche Führer aufgedrängt wurden, dass sie unsere Werte auswechseln wollen, dass sie uns Vergünstigungen und Sonderrechte als Freiheit und Demokratie verkaufen. Gemeinsam mit den anderen Bewohnern der Krim wurden wir in diese „Spezialzone“ getrieben. Damit wird sich mein Volk nicht abfinden.

[1] Aus der krimtatarischen Hymne „Ant Etkenmen

Advertisements

3 Gedanken zu “„Niemand kann unser Streben nach Freiheit unterdrücken“

  1. Ich bitte um die sofortige Freilassung der Krimtataren,weil Sie nur für die Freiheit sich stark gemacht haben. Bitte lassen sie SIE zu Ihren Familien.Sie haben nichts böses getan.Geben sie Ihnen die Freiheit die Sie verdient haben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s