Peru: Indigene kämpfen mit bloßen Händen gegen Öl-Katastrophe im Amazonas

Das peruanische Paradies im Amazonas wurde durch 3.000 Barrel Öl verseucht. Die am Fluss Rio Chiriaco lebenden indigenen Gemeinschaften sind verzweifelt. Foto: mariusz kluzniak via Flickr

Leonardo DiCaprio ist für sein Engagement als Umweltschützer bekannt. Er plädierte in seiner Oscar-Rede für mehr Umweltschutz und twittert immer wieder über das Thema. So machte er kürzlich über den Online-Dienst auf die Pipeline-Unfälle im peruanischen Amazonas-Gebiet aufmerksam. Cian Hartung aus dem GfbV-Referat für indigene Völker erklärt, was dort passiert ist.

von Cian Hartung

Die Umweltkatastrophe kam durch starke Regenfälle in den Distrikten Chriaco und Morona im Nordwesten des peruanischen Regenwaldes: 5.000  Barrel Öl verseuchten den Rio Chriaco. Aus einer veralteten Öl-Pipeline, die vom staatlichen Ölkonzern Petroperú unterhalten wird, sickerte Öl aus. Das Regenwasser trug das ausgelaufene Öl dann in den Chiriaco und kontaminierte somit das Gewässer.

In Quechua bedeutet der Name Chiriaco „kaltes Wasser“. Als die Indigenen Nordperus ihrem Fluss diesen Namen gaben, trug er noch seine natürliche Farbe. Nach den jüngsten Pipeline-Unfällen ist der Fluss nun bedeckt von einem schwarzen Ölteppich. Bisher stellte der Fluss die Lebensgrundlage für acht indigene Gemeinschaften in der Region dar. Jetzt sind die ungefähr 5.000 Angehörigen der indigenen Gemeinden von dem verseuchten Wasser betroffen. Die Regierung hat den Trinkwassernotstand in der Region ausgerufen und versorgt die Einheimischen mit Wasser aus Tanklastwagen. „Die Fische sind tot, die Krokodile sind tot, die Pflanzen sind tot“, sagte eine Frau aus der Ortschaft Imaza im peruanischen Fernsehen.

Auch Oscar-Preisträger Leonardo DiCaprio setzt sich für den Amazonas und die dort lebenden indigenen Völker ein

Der Schaden für das Biosystems des Regenwaldes ist kaum vorstellbar. Auch die viel zu niedrige Strafzahlung von umgerechnet 17 Millionen Euro, zu der Petroperú nun vom Umweltministerium verurteilt wurde, wird den Schaden für Flora und Fauna nicht begleichen können. Einheimische berichten, dass erst mehrere Tage nach dem Unfall Einsatzkräfte der Regierung an der Unfallstelle eintrafen und begannen, das Öl aus dem Fluss zu sammeln. Der verantwortliche Konzern Petroperú hat es hingegen anscheinend nicht nötig, eigenes Personal zur Bekämpfung der Ölkatastrophe einzusetzen. Lieber bezahlt er an die Bewohner 10 Soles (umgerechnet 2,50 Euro) für jeden Eimer aufgesammeltes Öl. Für die Menschen der verarmten Region ist dies eine Menge Geld. Die bereits von dem Unfall geschädigten Einheimischen beteiligen sich nun also an den Aufräumaktionen. Unter ihnen sind auch Kinder. Doch während offizielle Einsatzkräfte für die Dekontamination angemessene Schutzanzüge und Handschuhe tragen, sammeln sie das Öl ohne jeglichen Körperschutz und mit der bloßen Hand auf.

Durch den Kontakt mit dem Öl stehen die Einheimischen unter besonderer Gefahr, langfristige Schäden davon zu tragen. Einige Kinder, die verseuchte Fische gegessen haben, zeigen bereits Krankheitsanzeichen. In einem Brief an den Präsidenten Perus Ollanta Humala und Unicef klagten Familienoberhäupter der indigenen Gemeinschaften der Stadt Nazareth die Behörden an, dass sie weder vor der Gefahr geschützt noch Unterstützung angeboten hätten. Mit einer Verspätung von drei Wochen hatte die Regierung den Notstand ausgerufen. Doch der eingeführte Krisenplan berücksichtigte eine der betroffenen Gemeinden, Mayuriaga, nicht. Und das, obwohl der zweite Unfall sogar von Beamten als „die Mayuriaga-Ölkatastrophe“ bezeichnet wird, weil sie sich in der Gemeinde ereignete. Deren Anwohner waren daraufhin so verzweifelt, dass sie mindestens acht Regierungsbeamte als Geisel nahmen.

Un pez muerto tendido en la playa,

Die von Öl verseuchten Fische sind äußerst gesundheitsschädlich für die betroffenen Bewohner. Foto: Globovisión via Flickr

Als Antwort auf die Katastrophe veranstalteten mehrere NGOs und Indigene am 20. Februar eine Protestaktion vor dem Sitz von Petroperú in Lima. Die Organisation AIDESEP stellte dabei klar: „Petroperú hat den Pipeline-Unfall tagelang geleugnet. Als sie schließlich dazu gezwungen war, diesen zuzugeben, änderte sie stetig ihre genauen Angaben über die Menge des ausgelaufenen Öls und die Anzahl der betroffenen Bewohner. Dies lässt uns annehmen, dass sie die verursachten Schäden für die Bewohner des betroffenen Gebiets und die Umwelt nicht Ernst nimmt.“ Der Menschenrechtsanwalt Henry Carhuatocto nannte die Unfälle einen Beweis für die Fahrlässigkeit der peruanischen Regierung bei ihrer Politik zur Ölgewinnung. Dabei diskriminiere sie die Indigenen, deren Lebensraum sie zerstöre, so Carhuatocto.

Indigene und NGOs fordern nun unter anderem eine Entschädigung für die betroffenen Einheimischen, den sofortigen Stopp der Pipelinenutzung und den Rücktritt ihres Vorstandsvorsitzenden Vásquez.

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[Zum Autor]

CIAN HARTUNG studiert Romanistik in Würzburg. Seit Februar 2016 ist er Praktikant im GfbV Referat für indigene Völker und interessiert sich seit seinem ersten Besuch eines Völkerkundemuseums als Kind für indigene Kulturen. Mit großem Interesse blickt er auf die möglicherweise wegweisenden Präsidentschaftswahlen in Peru, die am 10. April stattfinden.

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