Aleppo kennt keine Sieger

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Aleppo ist zum Symbol des Syrienkrieges geworden:  Während die Zivilbevölkerung unter den Luftangriffen leidet, zeigt sich der Diktator Baschar al-Assad in Siegerlaune. Gemeinsam mit Russland begeht er dabei schwerste Kriegsverbrechen. Doch auch die USA und andere Akteure sind an der Gewalteskalation des Stellvertreterkrieges in Syrien maßgeblich beteiligt. Sieger kann es in Syrien keine geben.

von Charlotte Heise

„Syrien wird als Sieger aus diesem Krieg hervorgehen“, gab sich der syrische UN-Botschafter Bashar Ja’afari vor dem UN-Sicherheitsrat Ende September siegessicher. Ein zynischer Satz angesichts der Bilder, die sich zurzeit im umkämpften Aleppo darbieten.

Baschar al-Assad will siegen und das um jeden Preis. Seit dem Scheitern der Feuerpause geht der syrische Diktator mithilfe der russischen Luftwaffe und iranischer Kämpfer mit aller Härte gegen die Rebellen im Osten Aleppos vor. Durch die Offensive aus der Luft und nun auch vom Boden werden dabei allerdings nicht nur die radikalislamistischen Rebellen getroffen. Der Kampf wird auf dem Rücken der Zivilbevölkerung ausgetragen.

Häuserskelette lassen nur noch vermuten, welche Konturen die frühere Handelsmetropole einmal prägten. Mit vernichtender Schlagkraft zerstören bunkerbrechende Bomben mehrstöckige Wohnhäuser und reißen metertiefe Krater in die Straßen. Überforderte Helfer versuchen Überlebende aus den Trümmerbergen zu befreien. Bilder wie die des fünfjährigen Omran, der staubig und blutend in einem Krankenwagen sitzt und apathisch ins Leere starrt,  gehen um die Welt und erinnern an die vielen Kinder, die von den barbarischen Bombardierungen getroffen werden. (SPIEGEL ONLINE)

Die Menschen im umkämpften Aleppo sind von lebensnotwendiger Versorgung ebenso abgeschnitten wie von Fluchtwegen. Eingekesselt auf dem Schlachtfeld mangelt es den Bewohnern der Trümmerstadt an allem.

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Und doch lassen solche Bilder das unvorstellbare Ausmaß der Zerstörung Aleppos nur erahnen. Die Menschen in der umkämpften Stadt sind von lebensnotwendiger Versorgung ebenso abgeschnitten wie von Fluchtwegen. Eingekesselt auf dem Schlachtfeld mangelt es den Bewohnern der Trümmerstadt an allem. Schon lange hat kein Hilfskonvoi mehr die Stadt erreicht. In den unzähligen Luftangriffen, die die Stadt miterleben musste, wurde beispielsweise ein Wasserwerk beschädigt. Die Islamisten wiederum stellten als Vergeltungsmaßnahme anschließend eine Pumpanlage ab. Damit fehlen den fast zwei Millionen Menschen in Aleppo nicht nur Medikamente und Lebensmittel sondern auch jegliche Wasserversorgung. (Unicef)

Der Aufschrei der Welt über diese schweren Kriegsverbrechen ist groß. Das geschundene Aleppo ist zum Synonym für den Schrecken des syrischen Bürgerkrieges geworden. Besonders die Kritik an Russlands brutalen Luftschlägen wird laut. So bezeichnete unter anderem die US-amerikanische UN-Botschafterin Samantha Power das russische Vorgehen als Barbarei.

Doch auch die USA sollte sich nicht zu selbstgerecht zeigen. Während Russland, der Iran und schiitische Milizen aus dem Libanon Assads brutalen Feldzug unterstützen, rüstet die USA neben anderen Nato-Mächten, Saudi-Arabien und Katar seit Jahren die Radikalislamisten auf. Diese bedrohen das Leben der religiösen und ethnischen Minderheiten und wollen Aleppo zu einem reinen sunnitisch-arabischen Gebiet machen.

Aleppo geht unter und Assad zeigt sich in Siegerlaune. Da möchte man dem Despoten und allen Beteiligten dieses Stellvertreterkrieges nur noch den Satz des Militärwissenschaftlers Carl von Clausewitz nahelegen: „Krieg kennt keine Sieger, jeder militärische Triumph erweist sich in Wahrheit als Niederlage aller Beteiligten.“

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[Zur Autorin]

CHARLOTTE HEISE studiert Evangelische Theologie im 6. Semester an der Georg-August-Universität Göttingen. In ihrem Studium befasst sie sich unter anderem mit der Ökumene und entwickelte dadurch ein Interesse für die religiösen Minderheiten im Nahen Osten.

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