Indianischer Bürgerrechtler Peltier für immer hinter Gittern?

Foto: Gary Stevens via Flickr

Während die Welt nervös auf den Amtsantritt von Donald Trump als 45. US-Präsidenten schaute, waren der unschuldig inhaftierte indianische Bürgerrechtler Leonard Peltier und seine Unterstützer bereits am Boden zerstört. Barack Obama hatte den kranken Mann trotz aller Appelle nicht begnadigt. Nun organisiert sich die Unterstützerszene neu und rüstet sich wieder zum Kampf.

von Yvonne Bangert

Barack Obama hat Washington, D.C. verlassen ohne den indianischen Bürgerrechtler Leonard Peltier zu begnadigen. Diese Entscheidung hat uns wie alle Unterstützer weltweit sehr enttäuscht. Sie ist nicht anfechtbar. Begründet werden musste und wurde sie nicht. Damit ist die vielleicht letzte Chance des indianischen Bürgerrechtlers auf einen Lebensabend in Freiheit verstrichen. Nicht einmal ein persönlicher Bittbrief von Papst Franziskus und Appelle zahlreicher Prominenter konnten den Ex-Präsidenten dazu bewegen, dem kranken Peltier seine letzten Lebensjahre im Kreise seiner Familie zu verschaffen.

Mehr denn je brauchen Leonard Peltier, seine Familie und sein Verteidigerkomitee jetzt den Rückhalt einer weltweiten Öffentlichkeit. Den indianischen Bürgerrechtler aufzugeben kommt nicht infrage. Er selbst schrieb seinem Verteidigerkomitee kurz vor Bekanntgabe der negativen Entscheidung: „Wenn ich nicht begnadigt werden sollte, werde ich heute nach dem Einschluss Tränen vergießen und mich dann zusammenreißen und mich darauf vorbereiten, weiter zu kämpfen, bis ich nicht mehr kämpfen kann. Macht euch also keine Sorgen. Nach mittlerweile 40 Jahren komme ich mit allem klar.“


Wir erklären die Hintergründe zum „Fall Peltier“:


Wir richten unsere Energie jetzt auf Peltiers Verlegung in ein anderes Gefängnis mit einer geringeren Sicherheitsstufe, das näher an seinem Heimatreservat in North Dakota liegt. Dadurch könnte seine Familie ihn häufiger besuchen. Dort wäre auch eine intensive und qualifizierte medizinische Betreuung besser möglich. Zu seiner Diabeteserkrankung und den Herz-Kreislaufproblemen kamen in den vergangenen Jahren Krebsverdacht und ein bislang nicht behandeltes Bauchaneurysma hinzu. Schließlich gibt es auch Bemühungen, bei der zuständigen Kommission einen vorgezogenen Anhörungstermin für eine Entlassung auf Bewährung zu erwirken. Bei dem nächsten regulären Termin 2024 wäre Peltier bereits 80. Doch dieses Alter wird der kranke Mann kaum noch erleben, wenn er hinter Gittern bleiben muss.

Auch Spenden werden weiterhin dringend benötigt, denn diese Initiativen haben nur Chancen, wenn sie von einem Team von Anwälten geführt und von einem gut organisierten Büro koordiniert werden. Das International Leonard Peltier Defense Committee ILPDC organisiert sich gerade neu. Unter der Leitung von Peltiers Nichte Keri Ann Boushee und seiner Cousine Paulette Dauteuil-Robideau soll es künftig von Fargo, North Dakota, aus arbeiten. Auch sein Team von Anwälten und Rechtsberatern wird sich neu formieren, ebenso der Mitarbeiterstab und die nationalen und internationalen Unterstützerkomitees.

Nach wie vor braucht Leonard Peltier moralische Unterstützung durch eure Briefe und Postkarten. Bitte schreibt ihm (in englischer Sprache), dass ihr ihn nicht aufgeben und auch den Rest seines Weges bei ihm bleiben werdet. Die Adresse für Briefe und Postkarten (beides mit einem gültigen Absender versehen) lautet:

Leonard Peltier #89637-132, USP Coleman I, PO Box 1033, Coleman, FL 33521, USA

Wir wollen erreichen, dass Leonard Peltier und seine tragische Lebensgeschichte in der Öffentlichkeit präsent bleiben. Wir haben ihn zusammen mit der dortigen Regionalgruppe für den Menschenrechtspreis der Stadt Nürnberg 2018 vorgeschlagen. Auch werden wir die Initiative seiner Nominierung für den „Alternativen Nobelpreis“ (Right Livelihood Award) tatkräftig unterstützen.


Spendenkonto zur Unterstützung:

Förderverein für bedrohte Völker

Postbank

IBAN: DE 89 2001 0020 0007 4002 01

BIC: PBNKDEFF

Verwendungszweck: Peltier

Bitte gebt Name und Anschrift an, wenn ihr Anfang 2018 eine Spendenquittung erhalten wollt.


Mehr zu Leonard Peltier:

Die Zeit läuft ab!

„Ich beginne zu erkennen, dass die Zeit mir entgleitet“

Trauer um Vivian – Brief aus dem Gefängnis von Leonard Peltier

 

[Zur Autorin]

Yvonne Bangert 2015YVONNE BANGERT ist seit mehr als 30 Jahren für die GfbV in Göttingen tätig, zunächst als Redakteurin der Zeitschrift “bedrohte Völker – pogrom“ und der Internetseiten, seit 2005 als Referentin für indigene Völker.

 

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