Deutsche Banken ignorieren Mitverantwortung

Foto: Thomas Wolf via Wikimedia Commons

Nicht jede Bank ist böse. So zumindest kann man die Erfolgsnachricht aus Schweden zusammenfassen: Wie die Zeitung Financial Times berichtet, hat die schwedische Bank Nordea beschlossen, nicht weiter in die Energy Transfer Gesellschaft, die den Bau der Dakota Access Pipeline (DAPL) finanziert und durchführt, zu investieren. Diese Entscheidung traf Nordea, nachdem eine Delegation der Bank das Camp in Standing Rock im Dezember 2016 besuchte. Vor Ort wurde ihnen bewusst, dass Energy Transfer Umweltstandards nicht einhalte und mit dem Bau der Pipeline Landrechte der Standing Rock Sioux verletze.

Leider sehen wenige Banken ihre Verantwortung so klar wie Nordea. Schon seit Monaten protestieren deswegen Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen immer wieder gegen die in den Bau involvierten Banken. Die Organisation Food and Water Watch – eine von Regierung und Privatwirtschaft unabhängige Organisation, die sich für Recht auf Nahrung und Wasser einsetzt –hat herausgefunden, dass 17 Banken direkt an der Finanzierung des Projekts beteiligt sind. Weitere 19 Banken stellen Energy Transfer Kredite zum allgemeinen Ausbau der Gas- und Ölinfrastruktur in North Dakota und anderen Regionen zur Verfügung. Aus Deutschland ist die Bayerische Landesbank (Bayern LB) mit einem Kredit von mehr als $120 Millionen direkt am Bau involviert, während die Deutsche Bank indirekt mit mehr als $275, 6 Millionen, die sie Energy Transfer als Kredit für das Unternehmen zur Verfügung stellt, beiträgt. Nachfragen der GfbV zu dem Thema wurden von der Bayern LB ignoriert. Die Deutsche Bank rechtfertigte sich damit, dass sie direkt doch gar nichts mit dem Bau zu tun hätte. Es handele sich nur um „Geschäftsbeziehungen“: „Wie viele andere Banken, Finanzdienstleister und Zulieferer der Öl- und Gasindustrie unterhalten wir – unabhängig von dieser Pipeline – Geschäftsbeziehungen zu Unternehmen, die in das Projekt involviert sind.“

Verantwortungsbewusstsein gegenüber Menschenrechten und Umweltschutz findet man bei solchen Banken anscheinend nur auf dem Papier. Denn theoretisch hat eine Mehrzahl der Investoren die sogenannten Äquator-Prinzipien unterzeichnet. Bei diesen Prinzipien handelt es sich um ein Regelwerk, das zur Einhaltung von Umwelt-und Sozialstandards bei Projektfinanzierungen verpflichtet. Soweit die Theorie. Praktisch haben erst weltweite Proteste und Petitionen dafür gesorgt, dass einige Banken ihre Positionen überdenken. Unter dem Slogan #DeFundDAPL rufen Nichtregierungsorganisationen beteiligte Banken dazu auf, ihre Kredite neu zu verhandeln oder zurückzuziehen. Dies wird als Divestment bezeichnet, bei dem sich eine Person oder Bank von Aktien und Krediten trennt, die ethisch oder umwelttechnisch fragwürdig sind. Auch Einzelpersonen können hier großen Einfluss ausüben, indem sie ihre Konten bei den involvierten Banken kündigen. Viele Tausende haben dies schon getan – Privatpersonen und öffentliche Personen. So hat der Stadtrat von Seattle am 1. Februar 2017 beschlossen, den Stadtfond nicht weiter bei der in den Bau der DAPL involvierten Bank Wells Fargo anzulegen.

Der Rückgang an Kunden hat den betroffenen Banken mittlerweile über $ 50 Millionen Verlust eingebracht. Und das ist etwas, was die Banken verstehen: Wenn sie Geld verlieren, müssen sie die Kritik ihrer Kunden ernstnehmen (oder wenigstens so tun). Anderenfalls drohen ihnen hohe Verluste.

Eine Liste aller beteiligten Banken gibt es hier. (in Englisch)


Wir haben unseren Blog über die Proteste in Standing Rock ausgebaut. Jetzt berichten wir regelmäßig auf unserem Blog über die verschiedenen Konflikte zwischen dem neuen US-Präsidenten Trump und den Native Americans. Alle Beiträge im Überblick finden Sie hier: Indigener Widerstand gegen Trump


veröffentlicht: 23. Februar 2017

Autorin: Charlotte Honnigfort

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