Water Protectors unterstützen Umweltaktivisten in Deutschland

Foto: Cécile Lacavalerie für GfbV

Vergangenes Jahr verging kaum ein Tag, an dem es nicht eine Nachricht von den Aktivisten gegen die Dakota Access Pipeline gab. Seit der Räumung der Protestcamps ist es etwas stiller geworden um die Water Protectors, wie sich die Aktivisten nennen. Das bedeutet allerdings nicht, dass ihr Protest verschwunden ist. Vielmehr formieren sie sich neu, vernetzen sich sogar international und unterstützen auch andere Umweltaktivisten.

Vier der Water Protectors, die sich mittlerweile international für den Umweltschutz engagieren, sind Rachel Heaton, Nataanii Means, Wašté Win Young und Rafael Gonzalez. Vom 20.Mai bis 14. Juni 2017 waren sie dafür in Europa unterwegs und legten dabei über Pfingsten einen Zwischenstopp in Köln und im rheinischen Braunkohle-Revier ein. Diesen Tourstopp hatte die Gruppe ausgeco2hlt organisiert, die sich seit Langem im Widerstand gegen den aktuell von RWE Power betriebenen Braunkohletagebau in Garzweiler (Nordrhein-Westfalen) engagiert.

Die Veranstaltung mit den Water Protectors begann am Samstag, den 3. Juni 2017, um 18 Uhr in der Alten Feuerwache in Köln. Der Andrang an Zuhörern war groß. Mit einem Film von Nataanii Means, der mit eindrucksvollen Bildern den Protest im Standing Rock Camp illustrierte, startete der Abend. Danach berichteten die Vier ihren Zuhörern, was sie im Standing Rock Camp erlebten und was sie sich nun von der Europatour versprechen. Im Anschluss folgte eine rege Fragerunde. Oft wollten die Menschen aber auch nur ihre großen Bewunderung für den Widerstand in Standing Rock ausdrücken und die Water Protectors in ihrem Protest ermutigen.

Während ihres Vortrags betonten die Indigenen, dass sie sich als Native Americans dazu berufen fühlen, für Mutter Erde und für die Zukunft nachfolgender Generationen zu kämpfen. Durch ihre Vergangenheit, die von Unterdrückung und Überlebenskampf geprägt ist, fühlen sie eine Stärke in sich, die sie für diesen Kampf wappnet und beruft. Doch Ziel ihrer Europareise ist es, auch die in Europa lebenden Menschen für diesen Kampf empfindsam zu machen und sie zu mobilisieren, sich ihrerseits für Menschenrechte und Umweltschutz einzusetzen. Sie sind stolz darauf, dass der Ursprung der Bewegung indigen ist, aber sie wollen auch, dass die „Weißen“ ihre gesellschaftlich bedingten Privilegien nutzen, um die Water Protectors zu unterstützen. „Wir sind an verschiedenen Orten in der Welt, aber wir kämpfen für die gleiche Sache“, erklärt Rafael Gonzalez.

Aber auch ihre Divestment-Kampagne führte die Water Protectors nach Europa. Die Daktoa Access Pipeline ist seit dem 1. Juni in Betrieb. Die Water Protectors haben im Rahmen ihres Protests herausgefunden, dass dieser Erfolg auch damit zu tun hat, dass europäische Banken den Bau von Öl-Pipelines in den USA kofinanzieren. Nun fordern sie die europäischen Banken auf, ihre Investitionen zurückzuziehen und auf diesem Wege den Bau von Pipelines zu unterbinden.

Heaton, Means, Young and Gonzalez ist es wichtig, ihre Nachricht so weit wie möglich zu streuen. So wollen sie die Aufmerksamkeit der Menschen und der Regierungen für die Themen Menschenrechte und Umweltschutz wecken. Alle Menschen müssten begreifen, dass der Schutz von Umwelt und Menschenrechten Priorität vor wirtschaftlichen Interessen haben sollte. Dabei weisen sie darauf hin, dass alles in der Welt so stark miteinander verbunden ist, dass wir alle zusammen an einem Strang ziehen müssen. Die Umweltverschmutzung in einem Land wirkt sich weltweit auf die Umwelt aus. So berichtete Rachel Heaton vom Muckleshoot Tribe davon, dass die Fische in ihrem indigenen Territorium durch die radioaktive Verseuchung von Fukushima an Krebs leiden. Solche Zustände lassen die Sorgen der Native Americans weiter wachsen, denn das Überleben der Menschheit und von Mutter Erde ist in Gefahr.

Am Tag nach ihrem Vortrag nahmen die vier Water Protectors dann mit rund 300 anderen Menschen an einem Waldspaziergang durch den vom Kohleabbau bedrohten Hambacher Forst teil und unterstützen auf diese Weise die dortigen Umweltaktivisten. Anschließend gab es ein Hip-Hop-Konzert von Nataanii Means und Rafael Gonzalez in der Nähe der Wiesenbesetzung am Waldrand. Die beiden Native Americans nutzen den Hip Hop als Instrument zur Verarbeitung von gesellschaftlichen Problemen, unter denen die Native Americans in den Reservaten leiden. Er dient ihnen als Sprachrohr, um von der Flucht in Drogen und Alkohol, Armut, Selbstmord von jungen Menschen, Verschmutzungen ihrer Umwelt durch staatliche Maßnamen in den Reservaten und über den US-amerikanischen Präsidenten, der sie nicht repräsentiert, zu berichten.

Am Ende des Wochenendes bleibt ein Eindruck von Stolz und Einsatzbereitschaft der Native Americans und es klingt ein Appell nach, selbst aktiv zu werden.


Wir berichten regelmäßig auf unserem Blog über die verschiedenen Konflikte zwischen dem neuen US-Präsidenten Trump und den Native Americans. Alle Beiträge im Überblick finden Sie hier: Indigener Widerstand gegen Trump


veröffentlicht: 22. Juni 2017

Autorinnen: Franziska Rocholl und Cécile Lacavalerie

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