Kurden und ihre Anführer

Zum kurdischen Neujahrsfest Newroz konnte man sich in den Läden Kleidung mit seinem favorisierten Kurdenanführer kaufen. Die Frage, ob PKK-Chef Öcalan oder Masud Barzani, Präsident von Irakisch-Kurdistan, der größte Kurdenanführer ist, wird unter Kurden intensiv diskutiert. Foto: Kamal Sido

Kurden streiten über viele Fragen. Eine Frage, über die gerade intensiv diskutiert wird, ist: Wer ist der größte Kurdenführer, Masud Barzani oder Abdullah Öcalan? So ist es wenig verwunderlich, dass ich auf der kurdisch-irakischen Seite, vor allem in der mit Syrisch-Kurdistan benachbarten Provinz Duhok, auffallend viele Bilder von Masud Barzani, dem Präsidenten der autonomen Region Kurdistan im Nordirak, sah. Auf der syrisch-kurdischen Seite hingegen, auf unserem Weg nach Westen in das Innere des Landes, fand ich vermehrt Bilder von Abdullah Öcalan vor. Öcalan ist Gründer der PKK und sitzt seit 1999 in türkischer Gefangenschaft. Die türkische Justiz hat Öcalan zum Tode verurteilt und später diese Strafe in „Todesstrafe in Friedenszeiten“ auf lebenslänglich umgewandelt. Seitdem sitzt Öcalan auf der Gefängnisinsel Imrali, im Marmarameer, in Isolationshaft. Die PYD betrachtet Öcalan als den Vater der Idee der „demokratischen Selbstverwaltung“.

In meinen Gesprächen sowohl mit einfachen Kurden als auch mit Politikern habe ich immer wieder darauf hingewiesen, dass die Kurden ihren vielen Führern Respekt entgegenbringen könnten, ohne diese zu „Propheten“ erklären zu müssen. Meiner Meinung nach hat der Nahe Osten genug Propheten, weitere brauchen die Kurden und die Region nicht. Denn gerade weil die Region so viele Propheten hat, kommt sie nicht zur Ruhe. Sunniten, Schiiten, Juden und Christen streiten bereits seit Jahrhunderten darüber, welcher Prophet der „klügste“ war. Dieser Personenkult, die übergebührliche Verehrung und Glorifizierung einer Person, führt in der Regel zu einer Diktatur.

Auf der syrisch-kurdischen Seite angekommen, fiel mir noch eine andere Gepflogenheit auf: Ich hörte, wie sich viele Menschen mit „Heval“ (Kamerad oder Genosse) anredeten. Diese Anredeform in Rojava hat mir überhaupt nicht gefallen: Sie erinnerte mich an meine neun Jahre in Moskau, als ich damals in der Sowjetunion studierte und promovierte. „Heval“ ist ein netter Begriff, der jedoch durch seine ständige Verwendung mit der Zeit jeglichen positiven Inhalt verliert.

Was mir in Rojava auffiel, waren die vielen uniformierten oder gewöhnlich gekleideten Frauen, die in allen Bereichen des öffentlichen Lebens in Rojava zu sehen waren. Bereits am Grenzübergang wurden unsere Reisekoffer auf der syrisch-kurdischen Seite von uniformierten Kurdinnen kontrolliert. An den verschiedenen Orten, an denen ich war, waren immer Frauen anwesend und sie hatten überwiegend auch das Sagen. Meinem Eindruck nach herrscht in Rojava also eine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau.

Die einzelnen Kapitel im Überblick:

Wie alles begann

Semalka: Der einzige Weg nach Rojava

Kurden und ihre Anführer

Feindseligkeiten in Amude

Granaten in Qamischli

Plädoyer für ein multiethnisches und multireligiöses Rojava

Auf jüdischen Spuren in Qamischli

Besuch eines Gefängnisses

Kurdisches Neujahrsfest in Kobani

Militärischer Begleitschutz in Tall Abyad

Das neue Militärbündnis „Syrian Democratic Forces“ in al-Hasakeh

Christliches Leben in al-Hasakeh und Qamischli

Bei den Yeziden

Wie bei Karl May

Rojava-Nordsyrien benötigt unsere Solidarität

 

Setzen Sie sich mit uns gemeinsam für die Öffnung der türkischen Grenzübergänge in die Kurdengebiete ein! Unterschreiben Sie unsere Petition!

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