Nationalismus in Indien bedroht Rohingya-Flüchtlinge

Foto: pixabay

Im Bundesstaat Jammu und Kashmir haben sich in den vergangenen Wochen mehrmals Einwohner versammelt, um gegen die Aufnahme von Rohingya-Flüchtlingen zu demonstrieren. Besonders im Süden des Bundesstaates forderten die Demonstranten die aus Burma geflüchteten Rohingya dazu auf, die Region zu verlassen oder die „Konsequenzen zu tragen“.

Bisher wohnten die etwas mehr als 5.700 Rohingya-Flüchtlinge und die lokale Bevölkerung friedlich in dem autonomen Bundesstaat, der über 12 Millionen Einwohner umfasst, zusammen. Die meisten Rohingya in Jammu und Kashmir sind beim indischen Bundesinnenministerium (Union Home Ministry) und dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) registriert, sie arbeiten oft als Schrotthändler, einige Rohingya-Frauen sollen wiederum in Walnussfabriken für bis 12 Stunden pro Tag arbeiten.

In den vergangenen Monaten hat der Plan der lokalen Regierung, den pakistanischen Flüchtlingen Identitätszertifikate zu erteilen, empörte Reaktionen vonseiten verschiedener örtlicher Parteien ausgelöst. Die pakistanischen Flüchtlinge leben bereits seit 1947 in der Region. Damals wurden sowohl Indien als auch Pakistan von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen. Als Folge flüchteten mehr als 8 Millionen oder siedelten zwischen den beiden Staaten um. Heute ist die Mehrheit der Bevölkerung im südlichen Jammu hinduistisch, während über 90 Prozent der Einwohner des Kashmir-Tals muslimisch sind.

Mit dem aktuellen Plan der Regierung des Bundesstaates, die pakistanischen Flüchtlinge offiziell als Bürger zu registrieren, fürchten die Hindus, dass sich die Demografie in der Region ändert und sie dadurch in Jumma zur Minderheit werden. Nun sind die Rohingya ins Kreuzfeuer dieses Konflikts gekommen. Der nationalistisch aufgeheizte Diskurs kritisiert mittlerweile auch die Aufnahme der muslimischen Flüchtlinge aus Burma. Mitglieder der Bharatiya Janata Party (BJP), einer hindu-nationalistischen Partei, haben vor kriminellen und pro-separatistischen Aktivitäten der Rohingya-Bevölkerung gewarnt, obwohl es keine Beweise dafür gibt. Auch können die Behauptungen nicht durch Statistiken belegt werden. Trotzdem besteht zwischen den großen Parteien in Jammu ein Konsens darüber, dass Rohingya abgeschoben werden sollten. Da Indien keine internationalen Flüchtlingsabkommen wie die Konvention zum Flüchtlingsstatus von 1951 oder ihr 1967 Protokoll ratifiziert hat, gibt es für die Rohingya so gut wie keinen rechtlichen Schutz in dem Land. Das Schicksal der Rohingya in Jammu und Kashmir ist dadurch unsicherer denn je.


Wir fassen Nachrichten rund um die Rohingya-Krise in Burma regelmäßig auf unserem Blog zusammen. So können Sie einen Überblick über die aktuelle, sich stetig ändernde Situation bekommen. Alle Beiträge finden Sie hier: Rohingya-Krise in Burma eskaliert


veröffentlicht: 24. Februar 2017

Autorin: Salomé Persyn

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