Neue App des UNHCR „Finding Home“ gibt Einblick in Alltag von Rohingya-Flüchtlingen

Foto: Zugeschnittener Screenshot des App-Startbildschirms

Der UNHCR hat in Zusammenarbeit mit der malaysischen Werbeagentur Grey Malaysia eine App entwickelt, die dem Benutzer ermöglicht, Rohingya Flüchtlinge virtuell auf ihrer Flucht nach Malaysia zu begleiten. Die kostenlose App „Finding Home“ soll mehr Bewusstsein und Empathie für die aktuelle Flüchtlingssituation schaffen.

Nachdem die App gestartet wurde, verwandelt sich das eigene Smartphone in das Handy von Kathijah, einer 16-jährigen Rohingya, die mit ihrem Bruder aus Burma flieht. Während der Flucht verliert sie ihren Bruder und landet alleine in einem Flüchtlingscamp in Kuala Lumpur, Malaysia. Ihr Bruder schafft es nach der Trennung bis nach Penang, ein Bundesstaat Malaysias der etwa 500 Kilometer von Kuala Lumpur entfernt ist. In der App kann können die Chatverläufe zwischen Kathijah (in der App oft „Kat“ genannt) und ihrem Bruder sowie anderen Flüchtlingen nachverfolgt werden. Des Weiteren erhält Kat Anrufe, Fotos und Videos von Freunden und neuen Bekannten.

„Finding Home“ unterstreicht die Notwendigkeit eines Handys für die Flüchtlinge. Oft bleibt ihnen nur das Smartphone, um Kontakt zu ihren Familien oder anderen Flüchtlingen zu halten. Die App zeigt, welchen Schwierigkeiten und Gefahren Kat in einem völlig fremden Land, in dem sie als Flüchtling nicht anerkannt wird, ausgesetzt ist. Überfüllte Flüchtlingslager, vermeintliche Helfer mit eigenen Interessen, Razzien und eine ständige Ungewissheit gehören zum Alltag der Rohingya-Flüchtlinge.

Die App beruht auf Interviews, die mit mehreren Rohingya, sowohl minderjährig als auch erwachsen, geführt wurden. So soll ein realistischer Einblick in die alltäglichen Gefahren und Herausforderungen der Flüchtlinge zu gewährt werden. Durch die Simulation eines normalen Smartphone, schafft es „Finding Home“ außerdem die Geschichte Kat’s greifbar und realistisch darzustellen.

In Malaysia leben momentan etwa 150.000 Flüchtlinge, allein 53.000 davon sind Rohingya, die aus Burma geflohen sind. Viele der Flüchtlinge sind unter 18 Jahren.


Wir fassen Nachrichten rund um die Rohingya-Krise in Burma regelmäßig auf unserem Blog zusammen. So können Sie einen Überblick über die aktuelle, sich stetig ändernde Situation bekommen. Alle Beiträge finden Sie hier: Rohingya-Krise in Burma eskaliert


veröffentlicht: 27. April 2017

Autorin: Isabelle Ortmüller

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